Windräder in Kulturlandschaften und Wäldern

Gedanken und Forderungen aus Sicht eines Umwelt- und Naturschutzvereins 

„Wir müssen heute mehr denn je mit der Schönheit gegen die Hässlichkeit kämpfen. Werden wir auch bald ins Museum gehen, um schöne Landschaften zu betrachten?“ fragte 2003 HUBERT WEIGER, der Vorsitzende des Bund für Umwelt und Naturschutz in Deutschland (ARBTER 2003). Heute müssen wir ihm leider antworten: Ja, verehrter Herr Professor WEIGER, ihre Befürchtung wird zur bitteren Realität. Das Schöne kämpft gegenwärtig gegen das Hässliche. Traurigerweise bekennt sich der Bund für Umwelt und Naturschutz seit einigen Jahren zur Hässlichkeit, anstatt zu schönen Landschaften und deren Lebensvielfalt in Bayern. Was Waldrodungen und die Erschließung mit Verkehrswegen und Siedlungen in der Vergangenheit nicht vermochten, nämlich das Erscheinungsbild ganzer Regionen umzugestalten, wird durch über 200 Meter hohe Windräder seit einigen Jahren Realität: Aus in Jahrhunderten gewachsenen und mühsam durch unsere Vorfahren gepflegten bayerischen Landschaften und Wäldern werden hässliche Windindustriegebiete. Unser Ehrenmitglied, der Dirigent und Umweltschützer ENOCH ZU GUTTENBERG vergleicht gewachsene Landschaften mit Kunstwerken und mahnt eindringlich: „Wenn einer von Ihnen, meine Damen und Herren, ein Kunstattentat beginge und eine Altdorfer Landschaft in der Alten Pinakothek in München mit Salzsäure zerstörte, er käme in die Klapsmühle, bestenfalls in ein Gefängnis. Lebendige Kulturlandschaften aber zu zerstören halte wenigstens ich für die noch größere, die noch unverzeihlichere Untat“ (ENOCH ZU GUTTENBERG 2012).

Beeinflussen intakte Landschaften auch den Menschen? Waldpädagogen, Psychologen und Heimatpfleger behaupten ja, natürlich. Kulturlandschaften und Wälder vermitteln uns unbewusst wichtige Grundbedürfnisse: Schutz, Heimatgefühl, Identität und Erdung. Sie weisen auf unsere Wurzeln hin. Sie geben Würde und erinnern uns an unsere Kultur und Geschichte. Was sind die Gründe für diese schnell voranschreitende Landschafts- und Naturzerstörung in Bayern? Meist ist es die unermessliche Gier nach Geld. Sie wird unterstützt von Ideologen der grün-alternativen Ökobewegung und übereilten, nicht durchdachten politischen Entscheidungen. In großer Hast und unter dem Druck der mächtigen und einflussreichen Windkraftlobby wurden nach dem Reaktorunglück in Fukushima nahezu unangreifbare Regularien und Instrumente wie der „Bayerische Winderlass“ unter exklusiver Mitwirkung der Naturschutz- und Interessenverbände geschaffen. Begleitet von einer raffinierten Presse- und Öffentlichkeitsarbeit wird vielen Menschen die scheinbare Alternativlosigkeit der Energiewende subtil suggeriert. Man muss sich entscheiden, heißt es immer wieder, entweder für die Energiewende oder für die Atomkraft. Es gebe keine andere Wahl. Wer gegen erneuerbare Energien sei, der handelt unverantwortlich. Wer unter uns möchte schon unverantwortlich handeln?

Als Besänftigung für die maßlose Verhässlichung der Landschaften und Wälder werden große umweltpolitische Versprechungen gemacht: Durch Windenergie und Fotovoltaik würden Atom- und Kohlekraftwerke ersetzt und gleichzeitig der Industriestandort Deutschland nachhaltig und sicher mit sauberem Ökostrom versorgt werden. Auch das Klima werde effektiv geschützt. Auf geradezu grob fahrlässige Weise wird der breiten Öffentlichkeit verschwiegen, dass der Anteil der Windenergie am Primärenergieverbrauch der Bundesrepublik im Jahre 2013 nur lächerliche 1,4 Prozent betrug (BUNDESMINISTERIUM FÜR WIRTSCHAFT UND ENERGIE 2014). Und dies, obwohl bis Ende 2013 knapp 25.000 Windräder bundesweit installiert wurden. Wie kann das sein – so viele Windräder und ein so geringer Verbrauch an Windstrom, subventioniert mit vielen Milliarden Euro durch den Endverbraucher?

Es liegt an banalen Tatsachen: Der Wind weht nicht immer. Windstrom ist nicht speicherbar, eine praxistaugliche Speichertechnologie ist nicht in Sicht. Überschüssiger Strom muss oft ins Ausland verschenkt werden. Um die stark schwankende Stromerzeugung durch Windkraft und Fotovoltaik auszugleichen, laufen permanent Kraftwerke, meist mit Kohle betrieben, im Hintergrund mit und sichern die Grundlast der Stromnetze. Bei Bedarf werden sie vom Standby- in den Volllastbetrieb hochgefahren. Kein Wunder, dass in den vergangenen beiden Jahren der Ausstoß des klimaschädlichen Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) so stark zunahm wie nie zu vor in Deutschland. Die Kohlendioxid-Emissionen steigen stetig weiter, trotz oder vielleicht wegen immer mehr Windrädern und Fotovoltaik-Anlagen.

Intakte Landschaften und Wälder mahnen uns aber auch zu einem achtsamen Umgang mit der in ihnen lebenden Vielfalt an Tieren und Pflanzen. MARTIN FLADE, Ornithologe und Leiter des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin, gab einem Artikel die Überschrift „Von der Energiewende zum Biodiversitäts-Desaster“ (FLADE 2012). Die Lektüre seiner Studie schockiert: Jährlich verunglücken an Windrädern in Brandenburg 3 Prozent des Rotmilan-Landesbestands. Sein Fortbestand ist gefährdet, eine Kompensierung durch Bruten unmöglich. Das Ende der global bedeutenden Population in Brandenburg ist absehbar. Auch über unsere „nächtlichen Jäger der Lüfte“, den Fledermäusen, liegen ähnliche Schreckensmeldungen vor. PAUL CRYANA und seine Kollegen vom US Geological Survey in Fort Collins bestätigten in einem Freilandexperiment, dass Fledermäuse Windräder mit Bäumen verwechseln und durch die Rotoren tausendfach erschlagen werden (CRYANA 2014). Durch die enormen Druckunterschiede im Rotorbereich zerreißen ihre Blutgefäße und sie verenden kläglich. Jährlich sterben dadurch über 200.000 Fledermäuse in der Bundesrepublik, melden Forscher des Berliner Leibnitz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (VOIGT 2012).

Unsere moralisch-ethische Pflicht verlangt, die bayerischen Kulturlandschaften und Wälder – ähnlich wie die großen kulturellen Schätze Bayerns – zu erhalten, zu pflegen und am Gemeinwohl orientiert verantwortlich zu nutzen. Die Vielfalt des tierischen und pflanzlichen Lebens ist zu schützen. Die Bayerische Verfassung fordert daher zurecht im Artikel 131 als oberstes Bildungsziel ein „Verantwortungsbewusstsein für Natur und Umwelt.“ Die Energiewende bewegt sich in ihrer gegenwärtigen Form in eine ökonomische Sackgasse und in ein landeskulturelles, ökologisches Desaster.

Wir fordern ein Moratorium gegen den Bau weiterer Windkraftanlagen in den bayerischen Kulturlandschaften und Wäldern. Höchst fragwürdige und nachweisbar fehlerhafte Planungsinstrumente, wie der „Bayerische Winderlass“, sind zu modifizieren. Der Ausbau erneuerbarer Energien muss neu überdacht und ein schlüssiges Energiekonzept erstellt werden. Ökologische Risiken sind ohne Beteiligung der Lobbyverbände fachlich zu bewerten. Jeder, der Kulturlandschaften, Wälder und deren Lebensvielfalt durch Eingriffe schädigt oder zerstört, beraubt uns und unsere Kinder. Er stiehlt unsere gegenwärtige und künftige Identität und Würde.

 

Quellen

ARBTER, K. (2003). Bilder meiner Landschaft – Ein Gang durchs Jahr im Norden der Oberpfalz. Eigenverlag: 146 Seiten.

BUNDESMINISTERIUM FÜR WIRTSCHAFT UND ENERGIE (2014). Primärenergieverbrauch in Deutschland 2013. 1 Tab.

ENOCH ZU GUTTENBERG (2012). Hauptvortrag über den Wert von Landschaft und Natur. Erbendorf.

FLADE, M. (2012). Von der Energiewende zum Biodiversitäts-Desaster – Zur Lage des Vogelschutzes in Deutschland. Vogelwelt 133: 149 – 158.

PAUL. M. CRYANA, ET AL (2014). Behavior of bats at wind turbines. Proceedings of the National Academy of Sciences. doi: 10.1073/pnas.1406672111.

VOIGT, C. C., POPA-LISSEANU, A., NIERMANN, I., KRAMER-SCHADT, S. (2012). The catchment area of wind farms for European bats: A plea for international regulations. Biological Conservation 10.1016/j.biocon.2012.04.027.

 

4 Gedanken zu „Windräder in Kulturlandschaften und Wäldern“

  1. Jochen Niemand LNU Kreiskoordinator Siege- Wittgenstein
    Diesen Artikel sollte auch einmal der Umweltmister Remmel
    NRW lesen. Der hält an seinen 18 000 Hektar fest WKA , das sind ca. 2000 Windräder im Regierungsbezirk Arnsberg.
    Ein wahrer Windradwahn der die Welt retten soll. Als Minister sollte er sich mal mehr für die Vernichtung der Massentierhaltung einsetzen und moderne Verkehrssysteme.

  2. Windparks als Teil der Kulturlandschaft?

    Das hessische Landesamt für Denkmalpflege hat eine Stellungnahme zum Flächennutzungsplan Odenwald – Teilplan Windkraft – abgegeben, mit einer Formulierung, die aufhorchen lässt und über die Region hinausreicht:

    „Da die Windräder inzwischen schon Teil unserer Kulturlandschaft sind, geht es weniger um die Frage, ob sie gebaut werden, sondern vielmehr darum, wie sie baukulturell am besten integriert werden können.“

    Windräder sind also Teil der Kulturlandschaft; eine euphemistische Bezeichnung für die Tatsache, dass sich Industrieanlagen in die Wälder fressen. Bemerkenswert ist auch das Ansinnen, Industrieanlagen im Wald „baukulturell“ zu integrieren.

    Meiner Meinung nach ist es ein Verbrechen, unsere Erholungswälder zu industrialisieren, denn die Folgekosten sind nicht nur finanzieller Art. (2014: 24 Milliarden Euro für die Förderung der „Erneuerbaren“).

    Wenn wir in unserem kleinen und engen Land die letzten Rückzugs- und Erholungsräume für die Menschen mit 200m hohen Türmen verbauen, hat das auch Folgen für die Gesundheit. Diese Folgen werden schwerwiegender sein als die einer auf Modellrechnungen basierenden, mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% eintretenden globalen Erwärmung um knapp 2° C. Einer prognostizierten Erwärmung, die der Zubau von Windrädern in Deutschland nicht im Geringsten beeinflusst.

    Das einzige, was beeinflusst wird, ist die finanzielle Lage der Produzenten von Windkraftanlagen und der Initiatoren von Windparks: Zum Positiven, aber auf Kosten der Stromverbraucher. Das ist eine klassische Vermögens-Umverteilung von unten nach oben; ein Tatbestand, bei dem Linke und Grüne normalerweise auf die Barrikaden steigen.

    Schon eine Kappung der Einspeisevergütung um wenige Eurocent würde das Geschäftsmodell „Windparks im Binnenland“ wie ein Kartenhaus zusammenbrechen lassen: Es basiert ausschließlich auf überhöhten Vergütungen;
    z. Zt. 10,2 bis 10,7 Cent pro kWh für 20 Jahre, bei einem Börsenpreis für Strom von ca. 5 Cent pro kWh. Die Differenz zahlen wir alle.

    Die „Kugel Eis“ von Herrn Trittin kostet die deutschen Stromverbraucher nächstes Jahr 24 Milliarden Euro, Tendenz steigend. Man sollte die EEG-Umlage in „Eisspeisevergütung“ umbenennen.

    Peter Geisinger
    Wingertsweg 10
    64823 Groß-Umstadt

  3. es gibt zu viel Unwissenheit, Geldgier und extreme menschliche Schwächen. Geldgier, gepaart mit sozialer Abgestumpftheit und der Erkenntnis, dass die Mehrzahl der Menschen ihren Wohlstand meist als wichtigstes Gut ansehen, reduziert das Ziel einer uninformierten, leichtlebigen Mehrheit von uns Menschen immer mehr auf Wachstumsraten und Geiz ist geil.
    Es kann nicht anders sein wenn billigend die Gesundheitsgefährdung durch Hör-und Infraschall der Mitmenschen in Kauf genommen wird um Geld zu machen mit dem Argument den vermeintlichen Stromblackout oder die Klimakatastrophe zu verhindern. Was aber noch viel schlimmer ist, ist das wir Menschen für diesen Wohlstand unsere Umwelt und Natur gnadenlos zerstören. Und wer dies nicht erkennen kann sollte Satz eins nochmals lesen.
    Die Vernichtung der Altersversorgung durch hohe Wertverluste an den Immobilien trifft dann später auch wieder die Allgemeinheit bei der Unterstützung von verarmten Bürgern. Die Zeit für uns Menschen läuft ab. Soll man sagen hoffentlich bald oder endlich oder sollte man einmal Nachdenken. Am Bildungssystem in Deutschland sollte es nicht liegen, dass die Mehrheit in Deutschland nicht aufbegehrt gehen diese Landschafts- und Naturzerstörung. Oder doch, die Windlobby sponsert Unterrichtsstunden in Schulen die eine einseitige Sicht der Dinge an unsere Jugend verbreitet und Kirchenfürsten segnen Windräder, was für ein Unsinn. Hier hoffe ich auf Papst Franziskus, der selbst mir Atheisten wieder Hoffnung gibt.
    Den Kampf gegen die Atomkraft haben wir damals auch gegen die Geldgier verloren, obwohl die Folgen für gebildete Menschen bis ins Detail erkennbar waren. Damals haben die Stromkonzerne und Kapitalwirtschaft mit Unterstützung durch Seilschaften in der Politik dieses Unheil gegen den Willen der Bürger mit Staatsgewalt durchgedrückt. Heute sind zusätzlich ca. 70 % der deutschen Bürger und die Mehrheit davon in Städten, die durch die massive Werbung der vielen Windradlobbyisten der Meinung sind wir brauchen die Windräder. Auch hier sollte man wieder Satz eins lesen.
    Wenn dann die ca. 70.000 WEA in Deutschland stehen werden wir trotzdem Kohle- oder Gaskraftwerke brauchen um in den Zeiten wo Wind nicht weht oder Sonne nicht scheint nicht im Dunkeln zu sitzen. Schon heute kaufen wir Atomstrom aus dem Ausland um in diesen Phasen Strom zu haben. Wie scheinheilig ist denn dieses Vorgehensweise. Und wenn dann die Stadtmenschen zur Erholung in die Landschaft, Natur und Wälder gehen wollen werden sie nur laut rauschende Windräder finden unter denen die zerschnittenen Vögel liegen die sie gerne beobachten wollten. In der untergehenden Abendsonne wird die Landschaft, in der wir Ruhe suchen wollten durch drehende Windräder zu flackender Discolandschaft. Auch hier trifft Satz eins zu.
    Auf dem Energiedialog des Bay. Wirtschaftsministerium wurde von den Fachleuten verkündet, dass es bis 2022 und weit darüber hinaus noch keine Speicherlösung geben wird die Deutschland auch nur annähernd eine sichere Stromversorgung gewährleisten kann. Warum peitscht unsere GROKO diese katastrophale Energiewende gegen besseres Wissen durch. Warum geben wird uns nicht mehr Zeit um nach besseren Lösungen zu forschen. Wieder ist es eine willfährige unwissende Politik die schon lange nicht mehr die Zügel in der Hand hat. Politik, die verängstigt auf mögliche Wahlverluste schielt, durch Vetternwirtschaft und Befangenheit gelähmt, kann sie keine guten Kompromisse mehr finden. Auch hier gilt auch wieder Satz eins.

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