Wilde Wälder braucht unser Land

Foto alter Baum
Alte Bäume und naturnahe Wälder sind ein wichtiger Lebensraum für viele Tier-, Pflanzen- und Pilzarten. Rund 11.000 Arten leben in den Wäldern Deutschlands. © Alfred Schiener

Unsere Wälder veränderten sich in den zurückliegenden Jahrhunderten grundlegend: Aus ehemals buchenreichen Naturwäldern wurden nadelholzreiche, monotone Forste. Die ökologischen Folgen sind durch die „Roten-Listen“ eindrücklich dokumentiert: Viele Tier-, Pflanzen-, Flechten- und  Pilzarten haben ihre Lebensräume im Wald bereits verloren oder sind stark gefährdet. Naturschutzmaßnahmen in unseren Wäldern sind dringend erforderlich. Unser Land braucht, trotz der notwendigen und sinnvollen forstlichen Bewirtschaftung, mehr „wilde Wälder“.

Buchenwälder prägten das Landschaftsbild

Bis etwa 1000 nach Christus waren die Landschaften Mitteleuropas hauptsächlich durch Buchen- und buchenreiche Mischwälder geprägt. Baumfreie Landschaften waren die Ausnahme und beschränkten sich überwiegend auf Moore und auf die sehr steilen Felshänge der Gebirge. Ausgehend von den intensiven Siedlungstätigkeiten des frühen Mittelalters fand eine grundlegende Veränderung unserer Landschaften statt: Wälder wurden gerodet, Moore und Feuchtgebiete trocken gelegt und Siedlungen geschaffen. Der Wald diente der Bevölkerung als wichtige Energie- und Nahrungsquelle (Vieh- und Bienenweide, Bau- und Nutzholz etc.).

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Die Forstwirtschaft ist in Bayern wirtschaftlich wichtig. Ca. 200.000 Menschen sind im Sektor Forst und Holz beschäftigt. Der jährliche Umsatz beträgt ca. 25 Mrd. Euro. Monotone Nadelholzforste, wie auf dem Bild dargestellt, sollten jedoch der Vergangenheit angehören. Sie verdrängen seit Jahrhunderten buchen- und artenreiche Mischwälder. Die Folgen sind Windwürfe, Schneebrüche, Insektenschäden und eine Verarmung der biologischen Vielfalt. Bild: © J. Bradtka

 

Aus Urwäldern wurden Nadelholzforste

Bis zur Neuzeit veränderten sich alle Landschaften und Wälder Deutschlands grundlegend. Bisher unzugängliche Waldgebiete wurden mit Wegen erschlossen, der Wald wurde intensiv und regelmäßig genutzt und kahl geschlagene Mischwälder forstete man mit Nadelhölzern (Fichten, Kiefern, Lärchen) auf. Einige Baumarten, wie beispielsweise die Eibe (Taxus baccata), verschwanden auf Grund der Übernutzung fast vollkommen aus den Wäldern. Aus ehemals struktur- und artenreichen Urwäldern entstanden unsere Nadelholzforste.

Auch der technische Fortschritt verändert derzeit viele Wälder in  schneller Weise. Infrastrukturelle Maßnahmen, wie  beispielsweise der Bau von Gewerbegebieten, die Siedlungsentwicklung, der Verkehrswegebau, vollmechanisierte forstwirtschaftliche Verfahren (Harvester) und nicht zuletzt die Auswirkungen der sogenannten „Energiewende“ (Windräder) schaffen neue Störungen und Gefahren für die biologische Vielfalt in unseren Waldökosystemen.

Eine Charakterart  -  Der Schwarzstorch
Der Schwarzstorch (Ciconia nigra) ist neben dem Weißstorch (Ciconia ciconia) die einzige in Europa brütende Art aus der Vogelfamilie der Störche (Ciconiidae). Er gilt als gefährdet und besitzt seine Lebensräume in großen, naturnahen und zusammenhängende Wäldern. Insbesondere der Bau von Windrädern in Waldgebieten führt zu einem Rückgang der seltenen und geschützten Art. Bild: © Ch. Moning

 

Biodiversität in Gefahr

Trotz jahrhundertelanger Veränderungen ist unser Wald ein in Teilen noch immer bedeutender Lebensraum für Säugetiere, Vögel, Käfer, Schnecken, Pilze, Flechten und Moose geblieben. Man schätzt, dass rund 11.000 Arten in den Wäldern Deutschlands leben (Müller, J. et al. 2007). Viele davon benötigen jedoch dringend Schutzmaßnahmen, um ihre Vorkommen zu sichern. Nach den aktuellen „Roten-Listen“ sind rund 30% aller Blütenpflanzen, 45% der Moose, 55% der Flechten und ein Drittel aller Pilze gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Auch das Überleben vieler Tierarten ist in unseren Wäldern zunehmend in Gefahr.

 

Für eine nachhaltige Sicherung der biologischen Vielfalt in Waldökosystemen sind folgende Schutzmaßnahmen dringend erforderlich:

  • Schaffung differenzierter und laubholzreicher Waldstrukturen
  • nicht alle kleineren Kahlflächen aufforsten
  • Belassen von (möglichst viel) starkem Totholz
  • dauerhafter Erhalt von Biotopbäumen und Altholzinseln in gleichmäßiger Verteilung im Wald
  • Schutz alter, bizarrer Bäume (Tanne, Buche, Bergahorn, Linde…)
  • Erhalt und Pflege von Sonderstandorten (Mittelwälder, Moore, stehende und fließende Kleinstgewässer, Quellfluren, Magerrasen, Blockhalden…)
  • Erhalt und Neuanlage von Hecken an Waldinnen- und Außenrändern
  • keine flächigen Düngungsmaßnahmen im Wald
  • keine Übererschließung großer Wälder mit Forststraßen und Wegen
  • Ausweisung weiterer Schutzgebiete (Totalreservate) für extrem seltene Reliktarten (Naturwaldreservate, Nationalparks)
  • keine weitere Zerschneidung großer, zusammenhängender und bisher infrastrukturell kaum belasteter Waldgebiete durch Verkehrswege- oder Siedlungsbau
  • Grundsätzliches Bauverbot von Windrädern im und im unmittelbaren Umfeld von Wäldern

Links

Naturschutzorientierte Waldbewirtschaftung           http://www.waldwissen.net/wald/naturschutz/monitoring/wsl_schwellenwerte_bergmischwald/index_DE

Rote Listen gefährdeter Biotoptypen, Tier- und Pflanzenarten sowie der Pflanzengesellschaften  http://www.bfn.de/0322_rote_liste.html

Selbst naturnahe Waldwirtschaft stört biologische Prozesse           http://www.anl.bayern.de/publikationen/anliegen/meldungen/wordpress/waldwirtschaft/

 

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