Verscheuchen Windräder Wildkatzen?

Die Wildkatze (Felis silvestris, L.) wurde bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Bayern stark verfolgt und ausgerottet. Sie ist in Färbung und Körpergröße unserer Hauskatze sehr ähnlich. Allerdings entwickelte sich die Wildkatze, die seit mindestens 300.000 Jahren in den Wäldern Mitteleuropas lebt, niemals zu einer Haustierrasse.

Seit einigen Jahren kehrt die Wildkatze wieder vereinzelt nach Bayern zurück. Die Ausbreitung wird jedoch durch ihren großen Raumanspruch und ihre ausgedehnten Wanderungen erschwert. Unsere dicht besiedelten und zerschnittenen Landschaften verhindern meist ihre dauerhafte Etablierung. Besonders junge Wildkatzen, die auf der Suche nach einem eigenen Revier sind oder Wildkatzen, die sich in der Ranzzeit auf Partnersuche begeben, legen oftmals sehr weite Strecken zurück. Dabei wird ihnen die Überquerung von Straßen oft zum Verhängnis. Auch Windräder sollen die Wiederbesiedelung geeigneter Lebensräume in Bayern einschränken.

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Durch ein Lockstock-Monitoring lassen sich Wildkatzen sicher nachweisen. Bild © M. Liegl

 

Wildkatzen durch Lockstock-Monitoring nachweisbar

Lebende Wildkatzen lassen sich nur sehr unsicher optisch nachweisen. Erst mit der Entwicklung der DNA-Analysen konnte eine sichere Unterscheidung von Haus- und Wildkatze zuverlässig bei Totfunden erfolgen. Da die DNA-Analyse auch mit Haaren lebender Tiere möglich ist, wurde das sogenannte Lockstock-Monitoring entwickelt. Dabei werden Dachlatten mit einer Baldriantinktur besprüht und fest in den Boden gesteckt; auch Stöcke oder Äste sind dazu geeignet. Vorbeikommende Katzen reiben sich an den Stöcken, wobei einige Haare abgestreift werden und am Stock hängen bleiben. Diese werden dann eingesammelt, getrocknet und genetisch untersucht. Als günstigster Zeitpunkt hierfür gilt die Ranzzeit im Frühjahr.

Indikatoren für strukturreiche Wälder

Die Wildkatze wird auch als „Waldkatze“ bezeichnet. Ihre Lebensweise und die Ansprüche an ihren Lebensraum machen sie zu einem hervorragenden Indikator für große, reich strukturierte Wälder. Ein gutes Angebot an Versteckmöglichkeiten, zum Beispiel bodennahe Kleinstrukturen oder größere Baumhöhlen, fördern ihre Ansiedelung. Wo die Wildkatze auftritt, finden meist auch andere seltene Arten wie Baummarder oder Schwarzstorch einen optimalen Lebensraum vor.

Geeignete Waldlandschaften in Bayern für Wildkatzen
Geeignete Wälder für Wildkatzen in Bayern. Bild © LWF Weihenstephan

 

Untersuchungen zur Scheuchwirkung durch Windräder fehlen

Negative Auswirkungen auf Wildkatzen können auch durch den Betrieb von Windrädern in Wäldern entstehen. Die Druck- und Schallwellen der Windräder würden die mit einem besonders guten Gehör ausgestattete Art verscheuchen, so die Vermutung von Umwelt- und Naturschützern. Wie bei vielen anderen Tierarten fehlen leider auch zur Wildkatze fundierte Studien über die Auswirkungen von Windrädern auf die streng geschützte Art. Der Bayerische Windkrafterlass sieht zwar vor, mögliche Vorkommen von Wildkatzen im Rahmen der artenschutzrechtlichen Prüfung beim Genehmigungsverfahren von Windrädern zu untersuchen, nimmt aber das Untersuchungsergebnis bereits vorweg: Scheuchwirkungen durch Windräder im Sinne des § 44 Abs. 1 Nr. 2 Bundesnaturschutzgesetz seien nur bei Vogel- und Fledermausarten bekannt. Aus unserer Sicht ein höchst merkwürdiges Verständnis von ergebnisoffenen Prüfungen.

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