Tropenwaldzerstörung für Windradrotoren?

Das Windkraftanlagen (WKA) Vögel und Fledermäuse hundertausendfach töten ist hinlänglich bekannt. Auch der ungeheuer große Verbrauch an Beton und Kunststoffen, sowie die Verwendung von „seltenen Erden“ beim Bau von Windrädern wird nicht mehr geleugnet. Was jedoch vielen Menschen bisher verborgen blieb, ist der Zusammenhang zwischen der Zerstörung tropischer Regenwälder und dem Bau von Windradrotoren.

Balsaholz als Baukomponente für Windradrotoren

Das in den Tropen wachsende Balsaholz ist eine zunehmend wichtiger werdende Baukomponente für WKA. In den modernen 75 Meter langen Mega-Rotorblätter, beispielsweise von Siemens SWT-6.0-154, werden dünne Glasfasermatten und Balsaholz in mehreren Schichten übereinander gelegt. In einem Vakuum wird Epoxidharz eingesaugt, erhitzt und ausgehärtet. Klebeverbindungen würden so unnötig und die Rotoren wögen 10 bis 20 Prozent weniger als bei traditioneller Herstellungsweise, verkünden stolz die Hersteller.

Marika Faulhaber
Bei der Herstellung von Windradrotoren wird zunehmend das tropische Balsaholz verwandt © Marika Faulhaber

Das dabei verwendete Balsaholz stammt von dem Balsabaum (Ochroma pyramidale) aus der Familie der Malvengewächse. Er wird hauptsächlich auf großen Kahlschlag- und Brandrodungsflächen in den Tropen angebaut. Sein Holz zeichnet sich durch eine extrem geringe Dichte aus, ist äußerst robust und schnellwüchsig.

Das übliche Muster: Kahlschlag und Brandrodung

Die Tropenwaldzerstörung folgt meist folgendem Muster: Zuerst werden die wirtschaftlich wertvollsten und stärksten Bäume, wie beispielsweise Mahagoni, Bangkirai und Meranti, illegal entnommen. Weniger wertvolle Baumarten und der Unterwuchs werden anschließend verbrannt mit katastrophalen Folgen für die Biodiversität und das globale Klima. Auf den entstandenen riesigen Kahlflächen weiden für einige Jahre Rinder oder es werden Sojapflanzungen angelegt bis die empfindlichen Tropenböden weitgehend ausgelaugt sind.

Agroforstplantagen statt Regenwälder

Dann schlägt die Stunde der Investmentfirmen aus Europa, Asien und Nordamerika, die unter hohen Renditeversprechungen die Wiederaufforstung der Kahlflächen mit Forstplantagen als lohnende Kapitalanlage anbieten. Die Tausende Hektar großen Monokulturen aus meist anspruchslosen Balsa- und anderen schnellwüchsigen Pionierbaumarten werden nach relativ kurzer Zeit wiederum im Großkahlschlag rücksichtslos gerodet, und das Holz nach Übersee gewinnbringend exportiert. Die ehemals sehr fruchtbaren Tropenböden sind nun endgültig ruiniert und deren Nährstoffe verbraucht. Was bleibt ist verwüstetes,  ökologisch wertloses Brachland.

Unbenannt
Tropenwaldzerstörung in Südamerika von 2001 – 2015 (Rote Flächen) © globalforestwatch.org
Balsaholz für Windräder zerstört Regenwald und Klima

Jährlich werden auf diese Weise rund 13 Millionen Hektar tropische Regenwälder dauerhaft zerstört. An den Produkten der Agroforstplantagen, wie beispielsweise Balsaholz für den Bau von Windradrotoren, wird gut verdient.

Im Gegenzug gehen die effektivsten Speicher für das schädliche Klimagas CO2, die tropischen Regenwälder, verloren. Mit Fug und Recht lässt sich feststellen, dass die Erzeugung von „Grün- oder Ökostrom“ nicht nur wertvolle Kultur- und Waldlandschaften in Deutschland nachhaltig schädigt,  sondern auch für die Ausbeutung und Zerstörung der tropischen Regenwälder mit verantwortlich ist.

3 Gedanken zu „Tropenwaldzerstörung für Windradrotoren?“

  1. Ich bin erschüttert, wie wir die Umweltzerstörung in weit entfernte Gegenden auslagern, nur um hier ei uns ein gutes Gewissen zu haben. Wenn verschiedene Energieerzeugungsarten mit einander verglichen werden, müssen sämtliche Umweltbelastungen berücksichtigt werden. Dann sieht die Bilanz von Windkraft und Fotovoltaik schon gar nicht mehr so rosig aus.
    Danke für Ihre Aufklärungsarbeit!

  2. Es ist verdienstvoll und dringend nötig, die lange bekannte schmutzige Kehrseite der vorgeblich „sauberen“ Windenergie vertieft darzustellen.

    Schon seit Jahren ist bekannt, dass Tropenwälder auch direkt für Windindustriegebiete zerstört werden. Der deutsche „Exportschlager“ Windkraft wirkt sich zunehmend auch weltweit naturzerstörerisch aus.

    Vielfach geht die Installation der Windkraft zusätzlich zur Naturzerstörung auch mit Menschenrechtsverletzungen einher.

    Beispiel Indien: „Im Wildschutzgebiet Bhimashankar entspringen fast alle großen Flüsse Südindiens, die Artenvielfalt ist riesig. Jetzt wird Regenwald zerstört – für Windenergie.“…berichtete die TAZ schon am 26. November 2011; Quelle: http://www.taz.de/!5118125/

    Beispiel Mexico: Ein Bericht vom 24. Mai 2012: „Oaxaca: Windkraftanlagen verstärken Landkonflikte – Die Menschenrechtsaktivistin Bettina Cruz berichtet auf ihrer Europareise von neuen sozialen Konflikten durch Ausbau erneuerbarer Energien“
    Quelle: https://amerika21.de/nachrichten/2012/05/52258/windkraft-oaxaca

    Die Intensivierung des besonders schmutzigen Bergbaus nach „seltenen Erden“ mit allen negativen Begleiterscheinungen ist seit Jahren bekannt und wird von der hiesigen Windkraft-hörigen Politik entweder nicht erkannt, nicht verstanden oder aber schlicht verschwiegen (Beispiel für einen Bericht vom 13. Februar 2014: http://ruhrkultour.de/die-haessliche-kehrseite-des-sauberen-stroms/).

    Was ist von einem „Weltrettungsprogramm“ wie der „Deutschen Energiewende“ zu halten, das sein vorgebliches Schutzgut auf so vielfältige Weise vernichtet?
    Was muss geschehen, um hier endlich Faktizität herzustellen?
    Wo steht unsere am deutschen Umwelt-Saubermann-Image so interessierte Politik wirklich? Wo bleiben die kritischen Medien?

  3. Unsere GRÜNEN haben längst Sinn und Verstand für Verhältnisse und Verhältnismäßigkeit verloren. Falls sie jemals überhaupt wirklich nachgedacht haben. Das ist das Frustrierendste an der Politik, dass eine Partei, wie die Grünen, mit ihrer ideologiegeschwängerten Sichtweise, mit dem Hintern umstossen, was andere notdürftig zu retten versuchen.

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