Regensburger Fürstenhaus von Thurn und Taxis in Geldnöten?

„Wir wollen den Schatz heben“,  so die euphorische Verlautbarung aus dem Umfeld des Regensburger Fürstenhauses von Thurn und Taxis. Gemeint sind zwei haarsträubende, naturzerstörende Großprojekte in den fürstlichen Wäldern, mit denen sich in der Tat viel Geld verdienen lässt. 

In naturnahen Mischwäldern des Fürstenhauses bei Wiesenfelden im vorderen Bayerischen Wald (Landkreis Straubing-Bogen) sollen fünf  Windräder des Typs VESTAS V 136-3.45 MW, NH 149 durch GEO-Ostwind gebaut werden. Für zwei Windräder wurden am 12. April bereits die Bauanträge gestellt. Die Planungen fanden unbemerkt von der Öffentlichkeit, im Geheimen, statt. Eine öffentliche Beteiligung wurde geschickt umgangen. Das gesamte Gebiet ist eine einzigartige Erholungslandschaft und infrastrukturell bisher kaum vorbelastet. Viele streng geschützt Vogel- und Fledermausarten besiedeln die alten Misch- und Erholungswälder.

Gleichzeitig plant das Fürstenhaus nordwestlich der im Donautal gelegenen Ortschaft Wiesent (Landkreis Regensburg), rund 120.000 Quadratmeter wertvollen Wald zu roden. Inmitten eines großen und zusammenhängenden Waldgebietes soll ein riesiger Granitsteinbruch entstehen. In unmittelbarer Nähe des geplanten Steinbruches entspringen fünf Quellen, deren Bäche durch ein wichtiges Trinkwasserschutzgebiet fließen. Durch den Steinbruch werden massive Beeinträchtigung des wichtigen Naherholungsgebietes, eine starke Feinstaub- und Lärmbelastung, eine Gefährdung der Trinkwasservorkommen und Störungen des Wasserhaushalts befürchtet.

Der VLAB erstellt zur Zeit die Stellungnahmen und Einwände gegen die geplanten Landschafts- und Naturzerstörungen des Fürstenhauses von Thurn und Taxis. Die Bürgerinitiativen und betroffenen Menschen vor Ort werden unterstützt.

Die gewaltigen Überschwemmungen der vergangenen Tage mahnen uns: Intakte Wälder, offene Wiesen und natürlich fließende  Bäche beugen Überschwemmungen vor. Waldrodungen, der zunehmende Maisanbau, ein steigender Landschaftsverbrauch und die Versiegelung der Böden müssen gestoppt werden.

2 Gedanken zu „Regensburger Fürstenhaus von Thurn und Taxis in Geldnöten?“

  1. Sollte es zutreffen, dass das Haus Thurn und Taxis in diesem Maße Umweltfrevel begehen will, kann man in zweierlei Hinsicht von einer Nagelprobe für den Bayerischen Naturschutz sprechen:

    1) Wieder einmal kommt es im Zusammenhang mit der Industrialisierung wertvoller Landschaft durch Windkraft zum Schwur, welchen Status die „etablierten“ Naturschutzverbände in dieser Frage noch haben. Gerade der BUND mit seinem Vorsitzenden Hubert Weiger wäre erneut gefragt, die schon bedingungslose eigene Windkraft-Affinität neu zu überdenken, und zu den satzungsgemäßen Aufgaben zurück zu finden.
    2) Sollten die Planungen für die Windindustrie im Vorderen Bayerwald unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden haben, ist die rechtliche Überprüfung der gesamten Angelegenheit, insbesondere auch des Handelns der beteiligten Behörden unerlässlich. Im Rahmen der Windkraftindustrialisierung tun sich inzwischen bekanntlich deutschlandweit Abgründe auf. Eine Nagelprobe für Rechtsstaatlichkeit in Sachen Windkraft und Naturschutz.

    Die „aktuelle Stunde“ des Deutschen Bundestages am 01. Juni 2016 zur Novellierung des EEG und der vorliegende Referentenentwurf zu diesem auch sozial ungerechten Transformations- und Umverteilungsgesetz geben Zeugnis darüber, wie weit unser Staat und die politischen Parteien vom Ökoindustriellen Komplex rund um die Windkraft bereits unterwandert bzw. gedanklich infiltriert sind.

    Gewinnmaximierung auf „privatem“ Großgrundbesitz versus höherrangigem Gemeinschaftsrecht: Noch halten die Rechtsgrundlagen der EU zum Artenschutz, auf die sich Naturschutzverbände bei der Verteidigung der Natur und bei dem immer häufiger notwendig werdenden Gang vor die Verwaltungsgerichtsbarkeit und nach dem Instanzenzug vor den EuGH berufen können. Ob es ein Zufall ist, dass im Rahmen der „Europäisierung“ der Deutschen Energiewende auch für diese über Jahrzehnte mühsam erkämpften hohen rechtlichen Standards eine gezielte Verschlechterung droht?
    Der Naturschutz im geeinten Europa konnte nicht nur als Errungenschaft für den europäischen Gedanken gelten, er war und ist – trotz aller Schwächen nicht nur im Vollzug – in Inhalt und Struktur der Rechtsakte Vorbild für einen globalen Ansatz der Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen dieser Erde, die wir mit den wildlebenden Geschöpfen teilen.

    Dass gerade die Thurn und Taxis als Deutschlands größte private Waldbesitzer auch andernorts, so im oberschwäbischen Ostrach, mit dem Projektentwickler Ostwind an der Industrialisierung und Verschandelung wertvoller Landschaft durch Windkraft arbeiten
    (http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.energiewende-im-land-es-gibt-schon-flaechen-fuer-windraeder.ee76b41d-455f-4172-a531-3836f7326a60.html),
    komplettiert das inzwischen schillernde Bild der sogenannten Deutschen Energiewende: Geld und Gier frisst Wald und Natur. Der Thurn-und-Taxis-„Hochadel“ offenbart – wen wundert’s – ein weiteres Mal in seiner Geschichte sein Besitz-mehrendes „Business“-Gesicht. Speziell in den Windkraft-Projekten paart sich demnach jener über Jahrhunderte erprobte Geschäftssinn mit der Subventions-getriebenen Ökoindustrie. Eine vielsagende Allianz aus Großgrundbesitzer und politischer Pseudo-Korrektheit, und ganz offensichtlich ohne Rücksicht auf die begleitenden Verluste für die Allgemeinheit, kurz umschrieben mit Verlusten an wertvollen Natur- und Erholungsräumen.

    Wo und wie das „Business“-Weltbild in diesen „Adels“-Kreisen verortet ist, zeigt ein Blick auf die Inhalte der Seminare des Hauses Thurn und Taxis: http://www.thurnundtaxis.de/events/seminare/seminare.html:
    Das von der „Fürstin“ Gloria persönlich geleitete Seminar „vermittelt alles, was den perfekten Business-Auftritt ausmacht – von formvollendeter Konversation und Korrespondenz über internationale Tischsitten bis hin zu Dresscodes“, heißt es dort wörtlich.

    Da wünscht man dieser gute Sitten offenbar so sehr schätzenden „Adligen“ und der ganzen Familie der Thurn und Taxis wie allen an der Zerstörung der Landschaften des Vorderen Bayerischen Wald verantwortlich Beteiligten auch Sittlichkeit und Anstand im Umgang mit der wehrlosen Natur und den betroffenen Menschen.
    Dem VLAB wünscht man Erfolg bei der Verteidigung der Rechtsstaatlichkeit in diesem ganz speziellen Fall der weiteren Übernahme einer bis heute noch völlig unbelasteten Landschaft durch die Windindustrie.

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