Inszenierung, statt Naturschutz

Naturnah und nachhaltig bewirtschaftete Wälder erfüllen vielfältige Funktionen: Sie versorgen uns mit dem wertvollen Rohstoff Holz, fördern die Biodiversität und sichern den Menschen die Erholung in einem dicht besiedelten Land. Bild © Alfred Schiener

Bund Naturschutz und Greenpeace fordern, quer durch Bayern ein Netzwerk aus besonders geschützten Naturwäldern einzurichten. Bayern habe die Verpflichtung, der Natur den Vorrang vor der wirtschaftlichen Nutzung einzuräumen, so die Verlautbarungen der beiden Verbände. Diese Forderungen von BN und Greenpeace sind inszeniert und sollen in erster Linie der Akquise neuer Mitglieder, insbesondere aus Städten und Ballungsräumen, dienen.

Kampaigner statt Experten

Beim einem gemeinsamen Seminar von Greenpeace und Bund Naturschutz in Ebrach im Steigerwald im Juni 2016, stellten der Waldreferent des Bund Naturschutz zusammen mit der „Waldkampaignerin“ Gesche Jürgens – einer Politikwissenschaftlerin, die seit 2011 für Greenpeace arbeitet – ihr Konzept vor.

In rund 50 Waldgebieten quer durch ganz Bayern sollen große und bisher forstlich nachhaltig und naturnah bewirtschaftete Flächen für das „Naturwaldverbundsystem Bayern“ aus der Nutzung genommen werden. Keiner der beiden Verbände konnte bisher überzeugende naturschutzfachliche Begründungen liefern, warum gerade diese Waldgebiete für ein „Naturwaldverbundsystem“ geeignet seien. Es drängt sich der Verdacht auf, dass die Forderungen rein ideologisch motiviert sind. Sie nutzen weder dem Wald, noch dem Artenschutz.

VLAB Waldkonzept

Ganz anders das Konzept des VLAB: Er setzt sich für eine flächige, naturnahe und nachhaltige Waldbewirtschaftung in ganz Deutschland ein. Diese soll mithelfen, den Import von Hölzern aus Großkahlschlägen oder illegaler Holznutzung in der borealen und tropischen Zone zu verringern und dadurch den dramatischen Verlust an globaler Biodiversität abzuschwächen. Eine naturnahe Waldnutzung in Deutschland kann auch Vorbild für Staaten mit weniger schonender Nutzung sein und deren Ausbeutung und Zerstörung verringern.

Selbstverständlich möchte der VLAB den Waldnaturschutz noch effektiver als bisher vorantreiben und fördern. Zu diesem Zwecke sollen nach Vorstellung des VLAB Hotspot-Kartierungen in den staatlichen und kommunalen Wäldern erfolgen. Sie haben das Ziel, kleinere Waldteile mit einer besonders großen Lebensvielfalt, sogenannte Hotspots, zu erfassen, um sie unabhängig von ihrer Größe als Wildnisgebiete aus der forstlichen Nutzung zu nehmen. Ebenso sollen klar definierte und praktikable Naturschutzstandards die Artenvielfalt in den gemanagten (bewirtschafteten) Wäldern fördern, ohne die Bewirtschaftung wesentlich einzuschränken.

Keine starre zahlenmäßige Festlegung von Schutzgebieten

Eine starre Festlegung von Flächenprozenten für die Ausweisung von Totalreservaten, wie sie vom Bund Naturschutz und Greenpeace gefordert werden, ist unter den Aspekten des Arten- und Waldnaturschutzes nicht zielführend und schafft unnötige Konflikte mit den Waldeigentümern.

Der VLAB lehnt daher die Forderungen von Bund Naturschutz und Greenpeace zu einer pauschalen und naturschutzfachlich nicht begründeten Unterschutzstellung von Wäldern ab. Ein dichtes Netz kleinerer sehr artenreicher Wildnisgebiete in Deutschland ist der Ausweisung großer weit auseinanderliegender Totalreservate vorzuziehen.

weiterlesen: VLAB-Positionspapier Wald und Forstwirtschaft

16 Gedanken zu „Inszenierung, statt Naturschutz“

  1. Ich würde es bevorzugen, wenn die Vokabel „ideologisch“ allgemein sparsamer eingesetzt werden würde. Oft wird sie leider benutzt, um die Argumente der anderen Seite pauschal abzuwerten. Eine echte Auseinandersetzung mit ihnen findet dann nicht statt.

    Mir ist im konkreten Fall nicht ganz klar, worin der unüberbrückbare Gegensatz bestehen soll zwischen den Vorschlägen von BN/Greenpeace und VLAB. Kann man nicht das Eine tun ohne das Andere zu lassen?

  2. Die „Ideologie“ der beiden Naturschutz-Großsprech-Verbände BN und Greenpeace wird deutlich, wenn man deren große Worte mit rauen Wirklichkeiten abgleicht:

    Wo sind klare Worte und wirksame Taten zum Waldschutz dieser beiden Großorganisationen, wenn es um die inzwischen bundesweite Zerstörung beileibe nicht immer nur „weniger wertvoller“ Wälder durch die Windkraftindustrie geht?
    Wo sind BUND, BN und Greenpeace, wenn im Namen des „Klimaschutzes“ im Odenwald, im (nicht nur vorderen) Bayerischen Wald, im Schwäbichen Wald, im Schwarzwald, auf der Alb, im Steigerwald, im JUra, in den schönsten und wertvollsten Wäldern des württembergischen Unterlandes, des Hochsauerlandes, des Hunsrücks, des Taunus, des Kaufunger Waldes, in den Wäldern Brandenburgs oder Sachsens und und und… an hunderten von neu ausgewiesenen Windindustrie-Standorten ganz aktuell und in immer größerem Maße Wälder für und durch die Windindustrie zerstört und die darin lebenden Individuen selbst bedrohter und streng geschützter Arten vertrieben oder getötet werden, wenn durch Windkaftindustrialisierung ihre Lebensstätten, Bruthabitate, Balzareale und Jagdgebiete wissentlich und mit Hilfe von Gefälligkeits-Gutachten zerstört werden?

    Den Widerstand und unermesslich schweren Kampf selbst um die in Brüssel notifizierten Vogelschutzgebiete und FFH-Gebiete in Deutschlands Wäldern überlassen diese „ehrenwerten“ Organisationen fast überall den Naturschutz-unerfahrenen Bürgerinitiativen, und verfehlen damit ihren Auftrag, den sie im Rahmen des gesellschaftlich dringend notwendigen Diskurses um den Waldschutz auch an dieser „Front“ kraft ihrer Satzungen und ihrer Selbstdarstellung hätten.

    Den Windkraft-Ideologen dieser Verbände kann man als Insider der im Wortsinne windkraft-verwüsteten Naturschutzwirklichkeit Deutschlands ihr vordergründiges, lauthalsig schreierisches „Kampaignen“ zum Schutz der Wälder einfach nicht mehr abnehmen. Sie haben die Schleifung der über Jahrzehnte mühsam errungenen (rechtlichen und faktischen) Grundlagen des Naturschutzes – auch im Wald – durch die Windindustrie nicht nur abgenickt, nein: sie haben diese Schleifung aktiv betrieben und betreiben sie immer noch.

    Wer die Früchte des „Waldschutzes“ Marke BUND, BN, Greenpeace, NABU & Co. hautnah genießen will (den nach ihrer Darstellung sogenannten „naturverträglichen Ausbau der Windkraft“), dem sei eine Rundreise an die Brennpunkte der Waldzerstörung durch Windkraft in ganz Deutschland empfohlen. Für den Schwarzwald und andere Gebiete des deutschen Südwestens gebe ich mit mehr als 45 Jahren Naturschutzerfahrung gerne Windkraft-Wald-Verwüstung-Reisetipps.
    „Naturwaldverbundsystem“: schlimmste Befürchtungen vor neuem Etikettenschwindel müssen wach werden, ist es doch schon jetzt immer öfter Realität, für die umfangreichen Waldzerstörung durch Windkraft solche „biotopverbesserten“ Naturwaldflächen der ahnungslosen Öffentlichkeit planerisch als „Ausgleichshäppchen“ zu präsentieren und zu verabreichen.
    Keine Frage: über mehr Naturschutz im Wald muss angesichts der in manchen Gebieten drohenden Intensivierung der forstlichen Nutzung und der Naturferne vieler Wirtschaftsforste geredet werden. Naturnahe Wälder sind die Orte, an denen am ehesten auch die Rückkehr echter Wildnis durch behutsames Handeln und klare Vorgaben möglich ist.
    Wer Wäder schützen will, und dieses publikum heischend vorgibt, muss jedoch zuvorderst deren Rodung und Zerstörung durch weitere Industrialisierung entgegentreten. Hier entscheidet sich die Glaubwürdigkeit jeder „Kampagne“.

  3. Die selbsternannten FachExperten von Greenpeace halten sich für Götter .

    Mehr als ein Drittel aller lebenden Nobelpreisträger ,110 bis jetzt,werfen der Umweltorganisation Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor. Doch Greenpeace will an seinem Geschäftsmodellen festhalten. Der Regenbogen-Konzern reagiert mit dem üblichen Reflex: Alle die gegen uns opponieren sind korrupt. Es wird Zeit diesen Herrschaften ihre Grenzen aufzuzeigen . – Daher sollte man noch erwähnen ,dass Greenpeace zu viel Geld für Proteste und Informationsmaterialien ausgibt, anstatt diese ausschließlich aus Spenden stammenden Gelder direkt für den Tier – oder Umweltschutz einzusetzen. Somit scheint sich Greenpeace eher auf Selbstinszenierung und auf Öffentlichkeitsarbeit zu konzentrieren, als auf den Schutz der Natur selbst.
    Bezeichnend ist übrigens auch, daß man in den Mainstream-Medien von dem Offenen Brief der Nobelpreisträger NICHTS erfahren hat, es wird totgeschwiegen. Wie können die es sich aber auch erlauben, Greenpeace zu kritisieren. Eine ähnlich einseitige Informationspolitik erleben wir beim Thema Klima.

  4. Achso, es geht um die Windkraftindustrie. Das hätten Sie aber im Artikel auch erwähnen können.

    Dann geht es bei der obigen Kritk aber nicht um das konkrete Konzept von BN/Greenpeace sondern umd einen bedauerlichen Groll, den der VLAB gegen andere Umwelt- und Naturschutzverbände zu hegen scheint.

    Das ist sehr schade.

    1. Bei dem Artikel geht es um die unterschiedlichen Waldnaturschutz-Konzepte. Das Thema „Windkraft“ taucht nirgends im Text auf.

      Selbstverständlich unterscheidet sich der VLAB in dem Thema „Windräder und erneuerbare Energien“ ebenfalls grundsätzlich von BN, Greenpeace und Co.

      Der VLAB hegt keinen „Groll“ gegenüber BN, Greenpeace und Co., stellt sich jedoch als staatlich anerkannte Umwelt- und Naturschutzvereinigung der Diskussion.

      Unsere stetig steigende Mitgliederzahl ist ein deutliches Zeichen, dass sich viele Menschen einen anderen, authentischeren Naturschutz – als von BN, Greenpeace und Co. praktiziert – wünschen.

      1. Danke für die Klarstellung.

        Was sagen Sie denn zu meiner Kritik an der Vokabel „Ideologie“? Mir scheint sie Kommentare wie den obigen von Herrn Epple, der sprachlich deutlich zu agressiv formuliert ist, anzzuziehen.

        Oft wird ja der Ton in der Online-Welt beklagt. Es ist sehr bedauerlich, dass auch unter Natur- und Umweltschützern nicht in Ruhe und ausgewogen diskutiert werden kann. Der Verzicht auf Vokabeln wir „Ideologie“ oder „Etikettenschwindel“ würde da einen Beitrag zur Versachlichung leisten.

    2. Nein, Herr Dr. Jena, dieser Watchblog-Beitrag beschäftigt sich nicht mit Windkraftindustrie, sondern zunächst mit Naturschutz im Wald. Das kann jeder Leser nachvollziehen. Wer aber diesen so vordergründig propagiert, wie dies BN, Greenpeace & Co. tun, muss sich Nachfragen gefallen lassen, wie Ernst es damit bestellt ist.
      Sie haben den Gebrauch von „Ideologie“ kritisch aufgegriffen. Darauf einzugehen, ist angesichts dessen, was sich derzeit in deutschen Wäldern im Namen den „Klimaschutzes“ und auch im Namen dieser Verbände abspielt, eine Pflicht. Insofern nehme ich Ihre Anmerkung zum „bedauerlichen Groll“ und zur Ausweitung des Themas auf die Windkraftindustrie gerne auf meine Kappe.
      Das Wort „Ernüchterung“ und „Enttäuschung“ aber trifft die Gefühle der Menschen besser als das Wort „Groll“, wenn es um die Mittäter-Rolle von BN, BUND, Greenpeace und Co. bei der Zerstörung der Wälder durch Windkraft geht. Wie aber wollte man in Deutschland das Thema Waldnaturschutz auch nur im Ansatz angemessen diskutieren, wenn man sich gleichzeitig für die Zerstörung der Wälder in großem Stil durch Windkraft blind stellt.

  5. Wer in einer nicht weiter inhaltlich begründeten Bewertung eines Beitrages diesen als „deutlich zu aggressiv“ abtun will, und sich dabei am Gebrauch von „Ideologie“ und „Etikettenschwindel“ abarbeitet, sei in aller gebotenen Sachlichkeit an die Bedeutung beider Begriffe (als wohlgemerkt nicht abwertende „Vokabeln“, sondern bezeichnende Begriffe) erinnert.
    Ich liefere deshalb hier die gebräuchliche google-Bedeutung von
    1) Ideologie: „(…)die bestimmten Grundeinstellungen und Werte, die in einer gesellschaftlichen Schicht oder Gruppe wichtig sind und die zusammen eine Art Weltanschauung bilden.“
    Und die wikipedia-Bedeutung von
    2) Etikettenschwindel: „(…) bezeichnet das Vortäuschen eines spezifischen Inhaltes mit Hilfe einer falschen oder irreführenden Inhaltsangabe auf dem Etikett. Der heutige Sprachgebrauch bezeichnet (…) im übertragenen bzw. abstrakten Sinn das „Etikett“ eines komplexen Sachverhaltes“

    Die Haltung der angesprochenen „Naturschutz“-Großorganisationen in Sachen Weltrettung durch Windkraft lassen eindeutig eine Ideologie in diesm Bedeutungkontext erkennen.
    Den Etikettenschwindel innerhalb des komplexen Zusammenhangs Waldschutz bzw. Waldnaturschutz allerdings kann man nur in Kenntnis erstens dieser zu Grunde liegenden Ideologie und zweitens insbesondere der (Geschichte der) Rechtsakte des Naturschutzes durchschauen, die in Deutschland zu Gunsten der Windkraft aufgeweicht oder geschleift wurden und werden.

    Ich empfehle Herrn Jena z.B. eingehendes Studium ganz konkreter gesetzlicher Rechtsgrundlagen wie Gesetze, Verwaltungsvorschriften, ministerielle Erlasse bis hinunter zu den behördlichen Genehmigungsunterlagen von Windkraftindustrieprojekten (gerade auch im Wald), die dem von beiden Verbänden vertretenen und verbreiteten Weltbild, also ihrer Ideologie, inhaltlich voll entsprechen.

    Der „Klimaschutz“, – in seiner ideologischen Verbrämung als politisch korrekt derzeit kaum mehr sachlich hinterfragbar – , kannibalisiert in konkreten (Plangenehmigung) und abstrakten (Rechtsgrundlagen) Dimensionen zunehmend den über Jahrzehnte errungenen umfassenden Artenschutz, zu dem als konkreter (Anwendungs-)Bereich auch der Waldnaturschutz als Lebensraumschutz zu zählen ist.

    Insbesondere die Nicht-Beachtung und Nicht-Anwendung des höherrangigen Artenschutz-Gemeinschaftsrechtes der EU ist im Bereich der von bestimmten Parteien und Verbänden ideologisch herbeigeführten Normenkollisionen zwischen Artenschutz/Naturschutz/Landschaftsschutz und Klimaschutz zu nennen. Ohne diese ideologisch motivierten gezielten Änderungen an den Rechtsgrundlagen wären Waldumwandlungen, Rodungen und Zerstörungen selbst wertvollster Waldbereiche, wie sie nun zu Gunsten der Windkraft immer häufiger teilweise sogar brachial durchgezogen werden, bis vor kurzem in unserem Lande völlig undenkbar und rechtlich unmöglich gewesen.
    Das ist, was diesen Verbänden und den von Ihnen unterstützten Parteien, voran den GRÜNEN, andernorts sogar als „Verrat“ am Naturschutz zu Gunsten der Windindustrie angekreidet wird.

  6. Den Blog-Artikel-Titel „Inszenierung, statt Naturschutz“ halte ich für irreführend und für nicht niveauvoll geschrieben, auch der Inhalt und die Ausdrucksweise wirft kein besonders gutes Licht auf den VLAB, wenn ich ehrlich sein soll. Das Thema Windkraft im Wald ist in der Tat eine Achillesferse der etablierten Naturschutzorganisationen, doch genau hierauf gehen Sie erst in den Antworten auf Kommentare ein, und nicht schon in dem für mein Empfinden ganz bewusst sehr flach und reißerisch-populistisch geschriebenen Blog-Artikel.
    „Bund Naturschutz und Greenpeace fordern, quer durch Bayern ein Netzwerk aus besonders geschützten Naturwäldern einzurichten. Bayern habe die Verpflichtung, der Natur den Vorrang vor der wirtschaftlichen Nutzung einzuräumen, so die Verlautbarungen der beiden Verbände. Diese Forderungen von BN und Greenpeace sind inszeniert und sollen in erster Linie der Akquise neuer Mitglieder, insbesondere aus Städten und Ballungsräumen, dienen. “ Die Verlautbarungen der beiden Verbände, und das wissen Sie vom VLAB sehr genau, fordern lediglich die Erfüllung der vom damaligen Forstminister Seehofer mitgetragenen Nationalen Biodiversitätsstrategie, die nur 5 % Wälder ohne forstliche Nutzung fordert, = 10 % im öffentlichen Wald, um Privatwaldbesitzer nicht in ihren Eigentumsrechten einzuschränken. Und Sie wissen auch genau, dass das Konzept für den Naturwaldverbund nicht erst in Ebrach vorgestellt wurde, sondern bereits im Februar in München der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, samt ausführlicher Begründung. In Ebrach wurde es lediglich im Rahmen des Buchenwald-Seminars für die Seminarteilnehmer noch einmal erläutert. Im Seminar wurde zudem ausführlich erläutert, warum Wälder ohne forstliche Nutzung, und zwar speziell Buchenwälder mit einer gewissen Mindestgröße, aus naturschutzfachlicher Sicht so wichtig sind. Und schreiben Sie im VLAB-Wald+Forst-Positionspapier nicht selber: „Die Gründung weiterer Großschutzgebiete
    (Nationalparks) wird durch den VLAB … begrüßt“? Aber es wird beim VLAB stets so getan, als sei die Forderung nach weiteren Schutzgebieten ohne jede naturschutzfachliche Grundlage, ganz so als hätten Sie die Publikationen von Greenpeace, BN, BUND etc zum Thema nie gelesen. Haben Sie denn das neue Buch von Norbert Panek „Deutschland, deine Buchenwälder“ bereits gelesen? Wie finden Sie es? Waren Sie bereits einmal auf einem entsprechenden Seminar zum Thema, beispielsweise etwa das von Ihnen erwähnte Seminar in Ebrach? Haben Sie da wirklich keinerlei naturschutzfachlichen Begründungen gehört? Sie wenden sich zu recht, leider aber erst in den Unter-Kommentaren vehement gegen die Windkraft im Wald. In der Tat ist dies ein sehr ernster Missstand, der vielleicht auch etwas beigetragen hat zu der Änderung des EEG mit den neuen Regelungen. Allerdings sind Sie erstaunlich schweigsam, was die energetische Nutzung von Holz anbelangt – über die Hälfte des geernteten Holzes aus unseren Wäldern wird schlicht verbrannt! Und ist eines der Hauptgründe für den hohen Nutzungsdruck auf unseren Wäldern und dem schon seit Jahren zunehmenden Schwinden der immer geringeren Hotspots und dicken alten Bäume etc. Und sorgen zudem für ein dichtes Netz von Forststraßen und Rückegassen in unseren Wäldern. „Naturnah und nachhaltig bewirtschaftete Wälder erfüllen vielfältige Funktionen: Sie versorgen uns mit dem wertvollen Rohstoff Holz, fördern die Biodiversität und sichern den Menschen die Erholung in einem dicht besiedelten Land. “ so lautet der 1. Satz Ihres Blog-Artikels. Sehen Sie wirklich überall im ganzen Land nur „naturnah und nachhaltig bewirtschaftete Wälder“? „Es drängt sich der Verdacht auf, dass die Forderungen rein ideologisch motiviert sind. Sie nutzen weder dem Wald, noch dem Artenschutz.“ – diese 2 Sätze sind eine reine polemische und irreführende Behauptung. Sie wenden sich in auffallender Weise gegen den Vorschlag von BN+GP in Sachen Waldschutzgebiete in Bayern. Was sagt denn der VLAB zu den Worten von Philipp zu Guttenberg neulich auf der Versammlung der Nationalpark-Steigerwald-Gegner: „Den Steigerwald als Nationalpark verkommen zu lassen, wäre falsch, verantwortungslos und dumm“ — ? Wie positioniert sich der VLAB hierzu? —- soweit auf die Schnelle meine spontanen Gedanken zum obigen Blog-Artikel

    1. Der steile Kommentar von Frau Roelcke entspricht der üblichen Argumentationskette grüner, meist urbaner Waldaktivisten.
      Er bedarf auf Grund der vielen fachlichen Fehler und Unterstellungen einiger grundsätzlicher Anmerkungen und Korrekturen:

      Die Behauptung, „über die Hälfte des geernteten Holzes“ würden verbrannt und sei daher einer der Hauptgründe für den „hohen Nutzungsdruck“ auf den Wald, ist vollkommen falsch. Dies mag für tropische und boreale Wälder zutreffen, jedoch nicht für mitteleuropäische Wälder.
      Richtig ist, dass sich ca. 10 – 15 Prozent des Gesamtholzanfalles naturgemäß aus dem Restholz von Baumkronen und aus Faulholz zusammensetzen. Ein Teil davon dient der energetischen Nutzung durch den Menschen. Frau Roelcke bringt auch die Nutzung des Restholzes in Zusammenhang mit dem Rückgang der Biodiversität und der „dicken alten Bäume“; dies ist – mit Verlaub – blanker Unsinn und zeigt die Ahnungslosigkeit der Kommentatorin.

      Frau Roelcke ignoriert, dass naturnah und nachhaltig bewirtschaftete Wälder vielfältige Funktionen erfüllen. Ein naturnah bewirtschafteter Wald mit präzise definierten und praktizierten Naturschutzstandards, kombiniert mit partiell segregativen Elementen (vom Biotopbaum bis hin zum Naturwaldreservat) erfüllt nahezu alle gesellschaftlichen Anforderungen und Bedürfnisse. Die Ausweisung von Großschutzgebieten ist sicherlich wünschenswert, jedoch für den Waldnaturschutz aktuell nicht zwingend erforderlich.

      Wie der Kommentar von Frau Roelcke zeigt, stehen Bund Naturschutz und Greenpeace der Forstwirtschaft weitgehend ablehnend gegenüber. Sie negieren die engagierte Arbeit vieler Waldbewirtschafter, Waldeigentümer und Förster für den Waldnaturschutz in Deutschland. Der VLAB setzt auf konstruktive Gespräche, statt auf Konfrontation. Selbstverständlich lässt sich bei der Waldbewirtschaftung auch noch manches optimieren.

      Unsere Erfahrungen zeigen, dass ein effektiver Waldnaturschutz nur zusammen mit den Grundeigentümern und den Nutzern realisiert werden kann. Spektakuläre Waldkampagnen und ideologisch geprägte öffentlichkeitswirksame Maßnahmen schaden den Naturschutzbemühungen eher. Sie dienen der Selbstinszenierung von Greenpeace und Co. mit dem Hauptziel, meist ahnungslose Menschen in Großstädten als Mitglieder zu gewinnen und um die Kassen der Verbände zu füllen.

  7. Vielen Dank für Ihre Antwort, Herr Bradtka! Das mit der Energieholz-Menge ist in der Tat verwirrend und muss ich mir mal genauer ansehen. Das BMEL hat eine neue Wald-Broschüre herausgegeben, „Unser Wald – Natur aus Försterhand“, darin steht auf S. 73: „Gegenwärtig werden in Deutschland jährlich circa 64 Millionen Kubikmeter Holz energetisch genutzt; das ist mehr als die Hälfte der gesamten Holzverwendung.“ Das ist offensichtlich für Laien missverständlich formuliert. Doch im Spessart, und nicht nur dort, wird keineswegs nur Restholz in Hackschnitzel verwandelt, sondern ganze Buchenaltwaldbestände erlitten dieses Schicksal, wie von Michael Kunkel dokumentiert. Leider zu oft und dokumentiert werden auch Biotopbäume, z.B. alte Höhlenbäume, als Brennholz aus dem Wald geholt. Des weiteren schreiben Sie „Frau Roelcke ignoriert, dass naturnah und nachhaltig bewirtschaftete Wälder vielfältige Funktionen erfüllen. Ein naturnah bewirtschafteter Wald mit präzise definierten und praktizierten Naturschutzstandards, kombiniert mit partiell segregativen Elementen (vom Biotopbaum bis hin zum Naturwaldreservat) erfüllt nahezu alle gesellschaftlichen Anforderungen und Bedürfnisse. “ – Woher wollen Sie wissen, dass ich das „ignoriere“? Woraus leiten Sie dies ab? Die naturnah und nachhaltige Waldbewirtschaftung ist doch schon seit vielen Jahren auch eine Forderung vom BUND/BN und Greenpeace. Im Sie schreiben „mit präzise definierten und praktizierten Naturschutzstandards, kombiniert mit partiell segregativen Elementen“ – eine Frage, könnten Sie mir den Link geben zur Seite, auf der der VLAB diese Naturschutzstandards präzise definiert? Klingt interessant. Ebenso interessiert mich, welche Größe für Naturwaldreservate sie für geeignet halten, und welche Größe in Ihren Augen Hotspots idealerweise haben könnten. Sie schreiben weiter: „Wie der Kommentar von Frau Roelcke zeigt, stehen Bund Naturschutz und Greenpeace der Forstwirtschaft weitgehend ablehnend gegenüber. Sie negieren die engagierte Arbeit vieler Waldbewirtschafter, Waldeigentümer und Förster für den Waldnaturschutz in Deutschland.“ – Wieso lesen Sie aus meinem Kommentar, dass der BN und GP der Forstwirtschaft weitgehend ablehnend gegenüberstehen? Wieso sagen Sie dass BN und GP die engagierte Arbeit vieler Waldbewirtschafter, Waldeigentümer und Förster für den Waldnaturschutz in Deutschland negieren? Im Wald-Report 2016 des BUND sind doch auch viele positive Beispiele aufgelistet. Auf die Schnelle erst mal dies

  8. Habe etwas herumgelesen was die Entstehungsgeschichte des VLAB anbelangt und auch auf der VLAB-Website. Das macht mir so manches hier etwas nachvollziehbarer. Vieles inkl. der spürbaren Bitterkeit versteht man wahrscheinlich nur, wenn man die „Richtungskämpfe“ vor der Abspaltung erlebt hat. So steht hier im Blog bei „Rote Liste“: „BN: dominant, extrem vernetzt, stark verdrängend, sehr häufig, unverträglich, invasiv, alle gesellschaftlichen und politischen Instanzen & Gremien durchdringend. LBV: gut vernetzt, häufig, teilweise verträglich. VLAB (vom Aussterben bedroht): konkurrenzschwach, noch sehr selten, gering vernetzt, stark bedrängt durch Bund Naturschutz & Windkraftlobby“. Das ist/wäre definitiv ein interessantes Promotionsthema – „Geschichte und Entwicklung der Naturschutzorganisationen in Deutschland“… man könnte sicher viele Doktorarbeiten schreiben zum Thema Naturschutz, auch zum Thema Waldnaturschutz…

    1. Sehr geehrte Frau Roelcke.

      Der Blog-Artikel „Rote-Liste“ war eine Glosse, also eine Mixtur aus Realität, Ironie, Humor und Satire.

      Wir sind in keinster Weise verbittert, sondern freuen uns über unsere bisherigen kleinen und großen Erfolge. Es gab auch keine „Richtungskämpfe vor der Abspaltung“. Von wem hätten wir uns abspalten sollen? Die Vereinigung wurde 2009, als Reaktion auf die Planung einer Motorsportanlage – dem sogenannten Bayernring – in einem großen Waldgebiet, gegründet. Diese Planungen konnten wir verhindern und rund 150 Hektar Wald mit vielen Tier-, Pflanzen- und Pilzarten vor einem drohenden Kahlschlag retten.

      Seitdem wächst der VLAB, was in seiner staatlichen Anerkennung als Umwelt- und Naturschutzvereinigung im Juli 2015 mündete. Seit vergangenem Jahr sind auch zwei „Urgesteine“ des Umwelt- und Naturschutzes in Deutschland, Hubert Weinzierl und Enoch zu Guttenberg, Ehrenpräsidenten des VLAB.

      Wir haben große Freude und Elan, uns neben unseren Berufen weitgehend ehrenamtlich (!) für den Landschafts- und Artenschutz in Bayern und Deutschland zu engagieren.

      Der Vorstand, die Beiräte und das Ehrenpräsidium erhalten keinen einen einzigen Cent für ihre ehrenamtliche Arbeit. Spenden von Lobbyverbänden, egal in welcher Höhe, werden kategorisch abgelehnt, um die Unabhängigkeit des VLAB zu bewahren. Alle Mitgliedsbeiträge und Spenden kommen zu 100 Prozent dem Naturschutz zu Gute.

      Recherchieren Sie bitte einmal bei Bund Naturschutz, Greenpeace und Co. über die monatlichen Einkommen ihrer Funktionäre und über die Spenden von Lobbyverbänden – sie werden sehr überrascht sein.

      Jeder ist für das verantwortlich,
      was er tut,
      aber auch für das,
      was er nicht tut

      so unser Leitspruch.

  9. Vielen Dank für Ihre Infos und Erläuterungen, Herr Bradtka! So für mich nun etwas klarer. Und gratuliere zum Anti-Bayernring-Erfolg. Über die Art und Weise der Windkraft im Wald, die – habe nochmal nachgelesen – vom BN keineswegs nur befürwortet wird, kann und muss man intensiv diskutieren, zumal es ja inzwischen richtig schlimme Auswüchse gibt, wie Horstzerstörungen und Greifvogelmorde im Vorfeld der Planungen. Ich halte die Windkraft im Wald auch für einen Fehler, auch wenn es durchaus einige geeignete Standorte geben mag, denn die gute Absicht wird allzu leicht ins Gegenteil verkehrt. Verstehe trotzdem noch immer nicht, warum Sie sich so vehement gegen die Waldschutzbemühungen von BUND und GP stellen – „Inszenierung, STATT Naturschutz“ ist ja schließlich nicht gerade zurückhaltend formuliert. „Inszenierte“ Forderungen zum Zwecke der Mitglieder-Akquise, Ihrer Ansicht nach naturschutzfachlich nicht fundiert…. meinen Sie das wirklich ernst? Was die festangestellten Naturschutz-Mitarbeiter anbelangt, ich finde es sinnvoll, wenn große Naturschutzorganisationen Fachleute angestellt haben, die sich intensiv mit der Materie befassen. Finde ehrenamtliche Naturschutzbemühungen ebenfalls sehr gut und wichtig, das Feld ist groß genug für alle, es gibt (leider) mehr als genug zu tun und jeder hat andere Schwerpunkte, der VLAB etwa u.a. den Kampf gegen die Windkraft im Wald. Ich fände es jedenfalls gut, wenn Sie die VLAB-Vorschläge für die „präzise definierten … Naturschutzstandards“ für die Waldbewirtschaftung auf der VLAB-Seite veröffentlichen würden, ebenso Vorschläge für die angedachte Größe und Lage der „partiell segregativen Elemente“ im Wald, und wie groß die Flächen dann insgesamt sein würden. Interessant wäre für mich natürlich auch, was der VLAB etwa zum Holzeinschlag am Schareben-Berg im Bayerischen Wald denkt, der als Auerhahn-Schutzgebiet ja wahrscheinlich so ein VLAB angedachter „Hotspot“-Kandidat ist bzw. war. Und im Spessart gäbe es ja auch jede Menge Hotspots… Die 64-seitige Stellungnahme von Greenpeace zur EU-Klage bezüglich der Art und Weise der Bewirtschaftung des Hochspessart durch die Bayerischen Staatsforsten ist in diesem Zusammenhang sehr interessant, und erscheint mir naturschutzfachlich durchaus sehr fundiert. Letztlich findet man naturschutzfachlich wertvolle Stellen doch v.a. überall dort, wo es wirklich alte, sehr naturnahe, möglichst seit vielen Jahren ungestörte Laub- / Buchenwaldbestände gibt, und darum würde ein Einschlagstopp in diesen Gebieten wenn öffentlicher Wald Sinn machen, solange man sich nicht über die Schutzgebiete geeinigt hat, nenne man sie nun Hotspot oder sonst wie. Die Zahl dieser Bestände nimmt jedoch ab (s. z.B. Buch „Deutschland, deine Buchenwälder“ von Norbert Panek) und der Nutzungsdruck zu, und leider handeln eben doch nicht alle Waldbesitzer vorbildlich – Stichworte Pähler Schlucht, oder Fürstenhaus Löwenstein und seine Kahlschläge in Buchenaltbeständen zwecks Nachpflanzung mit Douglasien etc pp. Und auch der VLAB sieht doch nicht überall nur „engagierte Arbeit vieler Waldbewirtschafter, Waldeigentümer und Förster für den Waldnaturschutz“ – s. die Pläne von Thurn und Taxis auf der VLAB-Seite hier. Aber genug geschrieben. Der VLAB-Leitspruch ist jedenfalls gut und allgemeingültig. Wünsche viel Erfolg!

  10. Ich fürchte, in Sachen „Energetische Nutzung von Holz“ liegt auch das BMUB „vollkommen falsch“. In seiner auch ins Internet gestellte Broschüre „Naturschutz-Offensive 2020“ steht dort auf S.19: „Die Hälfte der Holzernte in Deutschland wird gegenwärtig energetisch genutzt. …“ Könnten Sie hier freundlicherweise gute im Internet auffindbare Untersuchungen oder Zahlen zur energetischen Holznutzung posten? Das wäre sehr hilfreich, vielen Dank im voraus!

    1. Zahlreiche Studien zu dem Thema „Energetische Nutzung von Holz“ können als PDF unter http://www.waldwissen.net/ recherchiert und kostenfrei heruntergeladen werden.

      Waldwissen.net bietet auf der Eingangsseite eine Suchfunktion und eine verfeinerte Expertensuche an. Die Internetplattform ist ein Gemeinschaftsprodukt folgender renommierter Forschungsinstitutionen:

      Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA), Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF), Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft (BFW) und der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL)

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