Groteske Energiewende – Naturschutzbehörden genehmigen Zerstörung eines Schwarzstorch-Horstes

Zerstörter Schwarzstorchhorst
Die Fichtenkrone wurde gekappt und der Horst des Schwarzstorches dauerhaft zerstört. Vergangenes Jahr diente er noch drei Jungstörchen als Kinderstube. Bild: Copyright E. Jenne

 

„Energiewende absurd: Storchennest für Windrad geplündert“​ lautete eine treffende Überschrift zu diesem Umweltfrevel vergangene Woche in den Nordbayerischen Nachrichten. Was war geschehen?

Im Juli des letzten Jahres entdeckte ein Naturschützer zufällig einen älteren Schwarzstorch-Horst mit drei Jungvögeln nur knapp 100 Meter neben genehmigten und bereits im Bau befindlichen Windrädern. Der Horst liegt an der Grenze der Landkreise Amberg-Sulzbach und Neustadt an der Waldnaab in der Oberpfalz in Bayern. Die Windradplaner konnten mit ihren akademischen Gutachtern den Schwarzstorch während ihrer angeblich über mehrere Monate dauernden Untersuchung im Gebiet nicht feststellen. Der Abstand von einem Schwarzstorch-Horst zu Windrädern muss gemäß dem „Bayerischen Windenergieerlass“ mindestens 3.000 Meter und zu regelmäßig aufgesuchten Nahrungsräumen 10.000 Meter betragen.

Nach einem kurzen Baustopp und Beratungen zwischen Windradbauern und Naturschutzbehörden wurde amtlich festgestellt, dass sich der geschützte Schwarzstorch erst nach der durchgeführten speziellen artenschutzrechtlichen Prüfung (saP) dort angesiedelt haben muss. Alles sei daher ordnungsgemäß verlaufen. Man könne den Investoren weder einen längeren Baustopp noch eine Abschaltung der Windräder während der Brutzeit des Schwarzstorches zumuten. Die finanziellen Einbußen wären zu groß, es könne daher weitergebaut werden. Diese Erklärungen ließen aufhorchen und Schlimmes befürchten.

Windrad
Wurde der Horst absichtlich „übersehen“? Diese Frage ist nach einer monatelangen artenschutzrechtlichen Prüfung des Gebietes berechtigt. Fotomontage. Copyright J. Bradtka

 

Naturschutzbehörden genehmigen Zerstörung – Kreisvorsitzender des Landesbund für Vogelschutz führt Maßnahme durch

Mit Billigung der Naturschutzbehörden und des Landesamtes für Umwelt wurde Anfang März der Gipfel der älteren Fichte, auf dem sich der  Schwarzstorch-Horst befand, gekappt und somit seine Brutstätte dauerhaft zerstört ( § 44 Bundesnaturschutzgesetz. Vorschriften für besonders geschützte und bestimmte andere Tier- und Pflanzenarten). Diese nicht im öffentlichen Interesse stehende Aktion wurde absurderweise von einem Kreisvorsitzenden des Landesbund für Vogelschutz im Auftrag des Windradprojektierers „Voltgrün“ durchgeführt; über das Honorar des Kreisvorsitzenden machte der Auftraggeber „Voltgrün“ keine Angaben. Parallel dazu errichtete man vier künstliche Nistmöglichkeiten auf Bäumen der weiteren Umgebung. Diese Aktion sei „zum Wohle des Schwarzstorches​“ erfolgt , so die Behörden und „Voltgrün“.​ Dem Storch seien „bessere Nistmöglichkeiten vorgeschlagen worden“, lautete das ​zynische ​Statement des Geschäftsführers des Regensburger Windpark-Planers „Voltgrün“.

Was übrig blieb
Ein beschämender Anblick: Nur eine Feder blieb am Fuße der alten Fichte, auf der sich der Horst des Schwarzstorch-Paares befand, übrig; aus Profitgründen musste der Horst weichen. Bild: Copyright E. Jenne

 

Verstoß gegen nationales und internationales Naturschutzrecht

Die Vorgänge in der Oberpfalz machen sprachlos und sind ein Skandal. Wir hinterfragen erneut den Sinn und Wert der speziellen artenschutzrechtlichen Prüfungen (saP), die im Zuge der Genehmigungsverfahren für Windräder erstellt werden. Wir hinterfragen die unkritische Akzeptanz  dieser Prüfungen seitens der Landratsämter und des Bayerischen Umweltministeriums.

Wir fordern eine lückenlose rechtliche Aufarbeitung  durch das Bayerische Umweltministerium über die Zerstörung des Horstes. Gegen die verantwortlichen Beamten ist ein Disziplinarverfahren einzuleiten. Der weitere Verbleib der Schwarzstörche ist unabhängig wissenschaftlich über einen Zeitraum von drei Jahren zu untersuchen und öffentlich zugänglich zu dokumentieren. Die absurden Vorgänge in der Oberpfalz, angeordnet von den Naturschutzbehörden, gebilligt durch das ​Landesamt für Umwelt und ausgeführt von einer Kreisgruppe des Landesbund für Vogelschutz (LBV) erfüllen faktisch den Tatbestand einer Rechtsbeugung (Definition). Sie konterkarieren nationales und internationales Naturschutzrecht.

Links 

http://www.nordbayern.de/region/pegnitz/energiewende-absurd-storchennest-fur-windrad-geplundert-1.4307668?rssPage=bm9yZGJheWVybi5kZQ%3D%3D

http://www.oberpfalznetz.de/zeitung/4544403-129-der-horst-ist-weg,1,0.html

http://www.oberpfalznetz.de/zeitung/4547643-129-gute-chancen-fuer-neuen-horst,1,0.html

 

9 Gedanken zu „Groteske Energiewende – Naturschutzbehörden genehmigen Zerstörung eines Schwarzstorch-Horstes“

  1. Hallo zusammen, wenn es um den Bau von Windkraftanlgen geht
    ist den zuküftigen Betreiben jedes Mittel recht!!! Obwohl den Behörden hier Lahn Dillkreis bekannt ist das in den Gebiet wo die Windräder oberhalb von Dillbrecht gebaut werden sollen Haselhühner leben wird das Naturschutzrecht gebrochen !!!! sowohl in NRW ( Gemeinde Wilsdorf wo eine Forstraße gebaut werden soll weil von hessen her das Gelände zu steil ist ) als auch in Hessen !!! Schwarzstorch , Haselhuhn das alles und noch mehr wird vernichtet.
    Wann legen wir diesen Naturverbrechern das Handwerek??? !!!!
    Jochen Niemand Natur und Landschaftsführer.

  2. Die spannende Frage ist doch,
    ob das kein Fall für den Staatsanwalt ist?
    Was muß denn noch passieren?
    Wenn das legal sein sollte, können wir aufhören.

    Wenn es eine Straftat ist, kann jeder anzeigen, ohne Kosten,
    und die Staatsanwaltschaft muß von Amts wegen ermitteln.
    So eine Anzeige sollte natürlich aus dem Gesetz heraus
    begründet sein.
    Weshalb ist so was noch nicht passiert?
    Also doch legal?

  3. Danke, lieber Herr Bradtka,
    für die Veröffentlichung dieses neuen ungeheuerlichen Umweltfrevels zugunsten privatwirtschaftlicher Interessen der Windkraftlobby.

    In Schleswig-Holstein wurde im März 2015 eine ebensolche Tat im Nordosten des Landes aufgedeckt (siehe Links unten)*.
    Wenn diese Meldungen nun bereits im Monatstakt kommen, muß man sich fragen, wieviele solcher Taten unveröffentlicht bleiben, z.B. die vielen Giftanschläge auf Greife (SH, NDS), Schüsse auf ein Uhunest inkl. Nestlinge und Bruttier (S-H), Schlagfallen gegen Wiesenweihen u.a. (NDS, SH) Schwarstorchnestervernichtungen in anderen Bundesländern. Ganz zu schweigen von den Vergrämungen Tausender(!) Wiesenvögel wie z.B. Kiebitze – ebenfalls eine wertgebende Art, für die Deutschland in der Verantwortung steht.

    Bei der Häufung solcher Taten im Zuge der sog. Energiewende mit massenhaftem Ausbau der Windkraft, zynischerweise auch noch durchgeführt von ehemaligen Umwelt- und Naturschutzverbänden mit Zustimmung der Genehmigungsbehörden, werden wir nicht mehr lange warten müssen, bis in Deutschland nur mehr Kulturfolger überleben, nachdem Windkraftprofiteure im Verbund mit Biomasseproduzenten u. a. Nutznießern des EEG alle sensiblen Arten der Avifauna ausgerottet und vergrämt haben.

    Das willfährige und schändliche Verhalten des bayrischen LBV bestätigt meinen Entschluß von vor einigen Jahren, diesen nicht mehr mit Spenden zu unterstützen, als auch der LBV plötzlich auf der Liste von Partnern der WK-Projektierer auftauchte und sich von diesen sponsorn ließ.
    Allein die Möglichkeit, dass all diese sog. Naturschützer, die seit 1998 im Verbund mit dem BWE Geld mit der arten- und naturschädlichen Windkraftnutzung verdienen**, immer noch als gemeinnützig eingestuft sind, zeigt die Ideologisierung der Politik und die Macht der Lobbyisten, die im Parlament ein und ausgehen und Gesetzestexte schreiben.
    **BUND + NABU+ BWE seit 1998 mit Naturstrom AG, Greenpeace mit eigener Greenpeace Energy seit 1999 zunächst dank Stromeinspeisegesetz seit 1991, später dank EEG seit 2001.

    Es ist an der Zeit, dass wir alle Vorkommnisse sammeln und diese regelmässig an den Umweltkommissar senden, der jetzige heißt Karmenu Vella (Malteser), mit der Aufforderung, Deutschland für die Wegbereitung und mangelhafte Verfolgung dieser Vergehen zur Rechenschaft zu ziehen.
    http://ec.europa.eu/commission/2014-2019/vella_en
    Karmenu.Vella@ec.europa.eu

    Jutta Reichardt
    http://www.windwahn.dehttp://www.epaw.org

    *Adlerhorstvernichtung in S-H
    http://www.windwahn.de/index.php/news/schleswig-holstein-spezial/1245-seeadlerhorst-zerstoert
    http://www.windwahn.de/index.php/news/schleswig-holstein-spezial/der-fall-stangheck-auch-im-zdf
    http://www.windwahn.de/index.php/news/korruption/1248-windenergie-und-korruption-der-fall-stangheck

    Staatsanwaltschaften in der BRD
    http://www.deutschejustiz.de/staatsanwaltschaften.html

    P.S.
    Der Gipfel des Zynismus:
    Wie auch zum Thema Einbruch in WKA mit Diebstahl von Computern und Aufstiegshilfe, wurden auch im schleswig-holsteinischen Stangheck die Schuldigen von Kommentatoren der WK-Lobby umgehend den Kreisen der Windkraftgegner zugeordnet. Eine Projektion der ganz besonderen Art…

    1. Danke, liebe Frau Reichardt, für ihre wertvollen Links!
      Wir teilen ihre Meinung uneingeschränkt.
      Es muss endlich mit der Rechtsbeugung Schluss gemacht werden.
      Unsere Natur muss wieder ihr Recht und den notwendigen Schutz bekommen.
      Mit den Begriffen „Energiewende“ oder „Erneuerbare Energien“ lässt sich nicht
      alles rechtfertigen.

  4. Ist dieser Umweltfrevel nun angezeigt worden und was tun die Behörden?
    Wir kämpfen auch gegen den Windwahn und ein teil unserer Hoffnungen liegt eben auf Schwarzstorch, Milan, Waldohreule, Kauz und Fledermäusen. Aber am meisten deprimiert mich die weit verbreitete Unwissenheit …

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