Daten und Fakten zum Naturschutz

Wir brauchen einen „Ethik-Wandel“

Jeder Lebensraum, jede Landschaft und jede Art die verloren geht hat ihren eigenen unschätzbaren Wert

Flächenverbrauch Deutschland

Quelle: Statistisches Bundesamt, Bundesumweltministerium

Täglich werden rund 69 Hektar für Siedlungs- und Verkehrsflächen verbraucht . Dies entspricht einem Flächenverbrauch von rund 98 Fußballfeldern je Tag. Ziel der Bundesregierung bis 2020 sind maximal 30 Hektar/Tag. Dieses Ziel wird nicht erreicht werden.

Anstieg der Siedlungs- und Verkehrsfläche Bild © Statistisches Bundesamt 2015
Anstieg der Siedlungs- und Verkehrsfläche Bild © Statistisches Bundesamt 2015

Folgen:

  • Flächenverbrauch vernichtet wertvolle Böden,
  • ländliche Gebiete werden zersiedelt,
  • unzerschnittene Landschaftsräume, die essentiell für viele Tier- und Pflanzenarten sind, gehen verloren,
  • das Artensterben nimmt zu,
  • Flächenverbrauch konterkariert den Hochwasserschutz und fördert Hochwasserereignisse.

Über den globalen Flächenverbrauch gibt es keine belastbaren Zahlen.

Flächennutzung in Deutschland, gerundet in Prozent 

Landwirtschaftsfläche52Agrarmonokulturen überwiegen
Wald31Fläche leicht zunehmend, überwiegend nur bedingt naturnaher Wirtschaftswald. Nur ca. 1,5% der Waldfläche ist Naturwald
Siedlungen, Industrie, Gewerbe7anhaltende Bautätigkeit
Verkehr5anhaltende Bautätigkeit
Gewässer (stehend, fließend)2überwiegend anthropogen verändert
Ödland1 
Grünanlagen, Abbauflächen2 

 Fazit:

Es gibt kaum mehr naturnahe oder natürliche Flächen in Deutschland. Der Wald ist die letzte bedingt naturnahe Fläche und bedarf einer besonderen Beachtung und Behandlung.

Ungebremstes Artensterben in Deutschland                 

Quelle: Bundesamt für Naturschutz

  • jede dritte Art ist in Deutschland bedroht,
  • rund 72.000 Tier-, Pflanzen-, Pilz- und Flechtenarten sind in Deutschland bekannt,
  • 8 % aller Arten kommen nur noch extrem selten vor,
  • 6 % aller Arten sind bereits ausgestorben oder verschollen,
  • rund 46 % der Wirbellosen – inklusive Insekten – gelten als bestandsgefährdet, extrem selten oder bereits ausgestorben,
  • in den vergangenen 12 Jahre haben 34 % der Brutvogelarten in ihrem Bestand stark abgenommen,
  • rund 25 % der Zugvogelarten ist bestandsgefährdet und steht auf der Roten Liste,
  • 92 % der Ameisenarten nehmen derzeit rapide ab.

Deutschland hat auch eine besondere Verantwortung für endemische Arten (= Arten, die es nur in Deutschland gibt) und für Arten, deren Lebensraum mit Schwerpunkt in Deutschland liegt. Beispiel endemische Arten: Gelbbauchunke, Plumpschrecke. Bei einigen Arten liegt ihr Verbreitungsgebiet weitgehend in Deutschland (Beispiel Rotmilan). Sterben diese Arten in Deutschland aus, sind sie auch global verschwunden oder akut vom Aussterben bedroht.

Gründe für das anhaltende Artensterben in Deutschland:

  • Zersiedelung der Landschaft,
  • anhaltender starker Bau von Verkehrswegen, Siedlungs- und Gewerbegebieten,
  • Zerstörung von Lebensräumen,
  • Substanzabbau (Kies, Steine, Erden),
  • Moderne Forstwirtschaft (Monokulturen, zu junge Wälder, Erschließung mit Forststraßen…),
  • Erneuerbare Energien (Gefahr für Großvögel & Fledermäuse),
  • Landwirtschaft.

Landwirtschaft als Hauptverursacher des Artensterbens in Deutschland

Quelle: Bundesamt für Naturschutz

Arnika montana (Arnika). Bundesweit durch Überdüngung und Zerstörung ihrer Lebensräume stark zurückgehend Bild © VLAB
Arnika montana (Arnika). Bundesweit durch Überdüngung und Zerstörung ihrer Lebensräume stark zurückgehend. Bild © J. Bradtka

Neben Insekten leiden Pflanzen, Kleinsäuger, Vögel und Amphibien sehr stark unter der Intensivierung der Landwirtschaft.

Mit einem Flächenanteil von rund 52 % ist die Landwirtschaft bundesweit der größte Flächennutzer.

Viele Tier- und Pflanzenarten sind essentiell auf landwirtschaftlich geprägte, offene Lebensräume in Deutschland angewiesen.

Gründe für das Artensterben verursacht durch Landwirtschaft:

  • zunehmende Mechanisierung und Intensivierung,
  • Etablierung großer Monokulturen,
  • Zerstörung von Hecken und Feldrainen,
  • Einsatz von Bioziden (Pestizide, Fungizide, Herbizide…),
  • Überdüngung der Böden und Gewässer mit Stickstoff (bis zu 35 kg Nitrat-N und Ammonium-N als Niederschlag und gasförmig je Jahr und Hektar in Bayern),
  • Überhöhte Viehbestände. Diese führen zur Bildung des Luftschadstoffes Ammoniak. Er entsteht hauptsächlich durch landwirtschaftliche Prozesse (95%). Insbesondere die Tierhaltung ist ein wichtiger Verursacher. Ammoniak reagiert mit sauren Luftschadstoffen schnell zu Ammoniumsalzen. Die Partikel dieser Salze lagern sich aneinander und bilden Schwebstäube, die sich in der umgebenden Luft verteilen, sogenannte Aerosole. Ammonium kann man in Regen, Nebel oder Tau nachweisen. Dies führt zu einer Überdüngung, Versauerung der Gewässer und Böden mit weitreichenden negativen Folgen für viele Pflanzen- und Tierarten. Ammoniak ist auch ein extrem schädliches Treibhausgas und potenziert den Klimawandel.

Forderung:

Die künftige Förderung landwirtschaftlicher Betriebe durch Steuergelder muss zwingend mit ökologisch nachhaltigen Bewirtschaftungsformen verbunden werden.

Beispiel:

In einer Studie, die in der Nähe von Krefeld in Nordrhein-Westfalen durchgeführt wurde, wurden innerhalb von rund 25 Jahren gravierende Verluste der Insekten-Biomasse festgestellt,

Im Jahr 2013 konnten nur noch ca. 25% der Insekten-Biomasse im Vergleich mit der bei der Erstaufnahme 1989 vorhandenen Masse nachgewiesen werden. Oder anders ausgedrückt: nur noch rund ein Viertel der bisherigen Insekten-Biomasse steht der sehr komplex verflochtenen Tierartengemeinschaft (Zönose) aktuell zur Verfügung,

Dies hat weitreichende negative Folgen, nicht nur für die Bestäubung von Pflanzen, sondern auch für das Überleben vieler anderer Artengruppen, zum Beispiel den Vögeln, die auf Insekten als Hauptnahrung angewiesen sind.

Quelle: Sorg, M. et al. (2013).

Strix uralensis (Habichtskauz). Vor rund 100 Jahren in Deutschland ausgerottet. Beginnend 2017 möchte ihn der VLAB wieder in Nordbayern ansiedeln. Bild © B. Fischer
Strix uralensis (Habichtskauz). Vor rund 100 Jahren in Deutschland ausgerottet. Beginnend 2017 möchte ihn der VLAB wieder in Nordbayern ansiedeln. Bild © B. Fischer

Dramatisches Artensterben global

Quelle: WWF

 Weltweit sind etwa 1,8 Millionen Arten bekannt und beschrieben,

Wie viele davon ausgestorben oder gefährdet sind, lässt sich nicht genau ermitteln,

Man schätzt, dass der Mensch die Zahl der Wirbeltiere (Säugetiere, Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische) innerhalb der vergangenen 40 Jahre halbierte,

Die Zahl der Süßwasser-Tiere ging um 76 Prozent (!) zurück.

Gründe für globalen Artenschwund:

  • Bevölkerungsexplosion: die Weltbevölkerung wuchs von 3,7 Milliarden im Jahr 1970 auf fast sieben Milliarden im Jahr 2010. Für das Jahr 2050 werden 9 Milliarden von den UN prognostiziert,
  • Zerstörung und Übernutzung naturnaher Landflächen und Wälder,
  • Überfischung und Verschmutzung der Meere, Flüsse und Seen,
  • Klimawandel.

Globale Waldzerstörung als eine der Hauptursachen des globalen Artensterbens und des Klimawandels

Quelle: Landwirtschafts- und Ernährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO)

Sphaerophorus globosus. Diese Flechte wurde durch forstwirtschaftliche Maßnahmen in vielen Ländern der Erde ausgerottet. In Deutschland ist sie seit einigen Jahrzehnten verschollen. Die Art benötigt sehr alte schonend bewirtschaftete Wälder Bild © J.Bradtka
Sphaerophorus globosus (Kugelträgerflechte). Diese Flechtenart wurde durch forstwirtschaftliche Maßnahmen in vielen Ländern der Erde ausgerottet. In Deutschland ist sie seit einigen Jahrzehnten verschollen. Die Art benötigt sehr alte schonend bewirtschaftete Wälder Bild © J. Bradtka
  • jede Sekunde wird weltweit eine Waldfläche dauerhaft zerstört, die der Größe eines halben Fußballfeldes entspricht,
  • sehr viele Arten sterben dadurch aus, ohne dass sie vorher überhaupt bekannt waren,
  • aktuell wird jährlich eine Waldfläche von ca. 13 Millionen Hektar Wald vernichtet (zum Vergleich: die Waldfläche in Deutschland beträgt ca. 11,4 Millionen Hektar). Die globale Waldvernichtung entspricht einem jährlichen Speicherverlust bzw. einer Freisetzung von durchschnittlich rund 2,9 Milliarden Tonnen Kohlendioxid.

Eine nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder und ein rasches Ende der dramatischen Waldzerstörungen wäre ein wesentlicher und effektiver Schutz für unser Weltklima und ein wirksames Mittel gegen das globale Artensterben.

Nur eine Begrenzung der Bevölkerungsentwicklung und ein sofortiger Stopp der Waldvernichtung in den tropischen und borealen Wäldern vermag eine zu starke globale Temperaturerhöhung mit ihren negativen Folgen wirksam zu verhindern.

 

 

 

4 Gedanken zu „Daten und Fakten zum Naturschutz“

    1. Die Jagd trug sicherlich in der Vergangenheit zum Artensterben stark bei. Insbesondere die großen Beutegreifer Bär, Wolf und Luchs aber auch Greifvögel und Eulen wurden maßgeblich durch Jäger ausgerottet oder zumindest dezimiert. Dies hat sich – Gott sei Dank – bereits seit längerer Zeit geändert.

      Ihre Mutmaßung, die Jagd sei aktuell „bekanntlich Artenfeind Nr. 2“ ist naturschutzfachlich nicht haltbar. Gerne können Sie mich und die Leserinnen und Leser des Umwelt Watchblogs mit Angabe seriöser wissenschaftlicher Quellen vom Gegenteil überzeugen.

      Fakt ist, dass es gegenwärtig keine Tier-, Pflanzen-, Flechten- und Pilzarten gibt, die durch eine legale Ausübung der Jagd vom Aussterben bedroht sind. Leider ist die illegale, kriminelle Jagd immer noch ein weltweites Problem und muss konsequent bekämpft werden.

      1. Ich hab jetzt echt keine Lust, die in den letzten 200 Jahren durch Jagd ausgerotteten Spezies heraus zu suchen und belasse es deswegen beim Tasmanischen Teufel, dem Bison, den Wölfen und Luchsen, sowie dem Biber. Mehr aufzuzählen, ist überflüssig. Dass die FreizeitJagd der Artenfeind Nummer 2 ist, direkt nach der Landwirtschaft und knapp vor der Industrie bestreiten nur Ahnungslose. Und dass „gegenwärtig “ vielleicht keine Spezies durch die Jagd gefährtdet ist, ist keinesfalls Verdienst der Jäger, sondern ausschließlich das der Naturschützer!

        1. Sie nennen in ihrer äußerst mageren Aufzählung ausschließlich einige wenige Säugetierarten und verkennen dabei völlig, dass Säugetiere in der globalen Artenvielfalt eine extrem geringe Zahl repräsentieren. Beweise für ihre steile These liefern sie leider nicht.

          Hier ein Beispiel: Rund 100 Säugetierarten sind in Deutschland bekannt, weltweit sind es etwa 5.500 Spezies. Eine mit Verlaub vollkommen untergeordnete Anzahl im Vergleich zu Insekten, Pilzen etc. Die Vielfalt des tierischen, pflanzlichen und pilzlichen Lebens ist größer als sie ahnen. Bereits bei den Insekten (Hexapoda) steigen die Artenzahlen im Vergleich zu den Säugetieren markant an: rund 33.300 Insektenarten sind in Deutschland und > 1.000.000 Arten global beschrieben.

          Ihre kühne Behauptung, die Jagd sei Artenfeind Nr. 2, ist nicht sachlich sondern nur emotional. Die Anmerkung, der Biber sei durch die Jagd ausgerottet, amüsiert, hat er sich doch exponentiell in Deutschland vermehrt.

          Hier eine interessante Quelle zum Nachlesen und zur persönlichen Fortbildung: https://www.bfn.de/23437.html

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