„Agro-Photovoltaik“ – droht das endgültige Aus für Bayerns Kulturlandschaften?

Es ist ja nicht so, dass Bayern von Tag zu Tag schöner wird. Im Gegenteil.  Gerade wurde bekannt, dass die Zubetonierung unserer Landschaften einen neuen Höhepunkt erreicht hat: Gut 13 Hektar werden im Freistaat laut einem aktuellen Bericht der Süddeutschen Zeitung Tag für Tag in  Verkehrs- und Siedlungsflächen umgewandelt, mit dramatischen Folgen für Landschaftsbilder und Artenvielfalt. Allen anders lautenden Beteuerungen der Staatsregierung zum Trotz.

Dass der Bau von Wind- und Solar-„Parks“ bei der Ermittlung des Flächenverbrauchs keine Rolle spielt, wird von den Grünen und den mit ihnen verbandelten Umweltverbänden übrigens klaglos hingenommen.  Und wenn wahr wird, was Wisssenschaftler und Energiewende geneigte Landwirte unweit des Bodensees gerade aushecken, könnte bald kein Halten mehr sein, wenn es darum geht, unsre Landschaften noch viel effizienter zu ruinieren.

Bislang gab es stets die auch von der Agrarlobby beklagte Konkurrenz zwischen Teller und Tank bzw. Steckdose.  Denn Flächen, die mit Solarkollektoren zugenagelt sind, stehen im Prinzip nicht mehr für die Nahrungsmittelproduktion zur Verfügung. Zwischen den Ständern der glitzernden Paneele grasen höchstens noch ein paar Schafe oder Ziegen, was von der Energiewendelobby gerne als extensive Öko-Nutzung bejubelt wird.

Die BR-Sendung „Unser Land“ berichtete am vergangenen Freitag von Versuchen, dieses Problem zu lösen. „Agro-Photovoltaik“ heißt das Zauberwort. Dabei geht es darum, landwirtschaftlich genutzte Flächen mit Meter hohen, aufgeständerten, wenn nötig Hektar großen Kollektordächern zu überbauen. Während oben „grüner“ Strrom produziert wird, sollen darunter weiterhin Traktoren, Mähdrescher und Kartoffelernter fahren können. Erste Versuche der Universität Hohenheim, so der Beitrag, stimmten durchaus ermutigend. Die Ertragseinbußen durch die teilweise Verschattung unter den Solardächern seien nicht so gravierend, wie man vielleicht hätte befürchten können.

Leider, leider, so der Kommentar eines  begeisterten Demeter-Bauern, der an dem Versuch beteiligt ist, fehlten derzeit noch die „politischen Voraussetzungen“ für eine rentable Nutzung der Agro-Photovoltaik: Soll heißen, die nötigen Subventionen. Denn derzeit gibt es für solcherart Anlagen weder eine Förderung nach dem EEG noch Flächenprämien seitens der EU. Sie sind schlicht unrentabel.

Aber das kann sich ändern, etwa dann, wenn im September die wieder erstarkte Klimakanzlerin Angela Merkel zusammen mit den Grünen regieren sollte, was ihr allemal lieber sein dürfte als die störrische SPD mit ihrem hyperaktiven Kanzlerkandidaten Martin Schultz.  Quadratkilometer große Solarkraftwerke in deutschen Agrarregionen, sicher auch und vor allem in Bayern, dürften dann schon bald kein Hirngespinst mehr sein.

Vor dem Hintergrund einer oberbayerischen Idylle mit sattgrüner Kuhweide und Zwiebelturmkirche meinte die Moderatorin dann noch im Abspann, dass es wenig Sinn mache, Landschaften „wie diese“ mit Solardächern zu „verschandeln“. Aber intensiv genutzte Regionen wie die Erwerbsobstbau- und Hopfenanbaugebiete könnten davon profitieren, weil die Dächern ja auch einen schönen Hagelschutz abgäben. Eines vergaß Frau Fenske noch zu erwähnen: die riesigen, lebensfeindlichen Maisfelder. Unten Biogas, oben Solar, ganz oben Windmühlen. Eine Triple-Win-Konstellation, zumindest für klimabewegte Subventionsritter.

Auf der Strecke bleiben, dann wohl endgültig,  unsere Kulturlandschaften. Die Hallertau, Weinfranken, die Obstanbaugebiete in der fränkischen Schweiz, bald eingehaust mit Solarpaneelen? Nichts ist unmöglich im Energiewendeparadies. Und wer sagt eigentlich, dass nicht auch die oberbayerische Postkartenidylle dereinst unter die Paneele kommt, wenn der Milchpreis mal wieder ins Bodenlose fällt?

 

 

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