Streng geschützt, jedoch bald durch Menschenhand ausgestorben – der Große Abendsegler

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Steckbrief: Das kurze, eng anliegende braune Fell des Großen Abendseglers glänzt auf dem Rücken rostbraun. Dunkles Gesicht mit kräftiger Schnauze und breiten, abgerundeten Ohren sind typisch © Kathrin Weber

Die internationale Fledermaus-Schutzorganisation BatLife kürte den Großen Abendsegler zur Fledermaus des Jahres 2016. Dies nicht ohne Grund – steht er doch in Deutschland auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten und ist wie alle Fledermäuse streng geschützt und zunehmend gefährdet.

Waldrodungen, übertriebene Baumsanierungen in Parks und entlang von Straßen und Wegen, sowie der Mangel an Totholz und alten Baumbeständen setzen dem Großen Abendsegler gegenwärtig stark zu. Auch die Quartierverluste durch Sanierungsmaßnahmen an Gebäuden, wie beispielsweise eine Wärmedämmung und der Verschluss von Spalten, lassen seine Population anhaltend zurückgehen.

Die größte Gefährdungsursache des Großen Abendseglers sind jedoch Unfälle verursacht an Windrädern. Sein Jagdhabitat ist der freie Luftraum in großen Höhen, bevorzugt in Gewässernähe, über Wald und über beleuchteten Flächen. Dies wird ihm meist zum Verhängnis: Als hoch fliegende und wandernde Art zählt der Abendsegler zu den am meisten von Kollisionen an Windrädern betroffenen Arten. Er wird entweder direkt durch die Rotorblätter erschlagen oder er verendet qualvoll während des Vorbeifluges, da seine Blutgefäße auf Grund der starken Druckveränderungen im Einflussbereich der Rotoren zerreißen (Barotrauma).

Nordfledermaus
Nicht nur der Große Abendsegler, sondern auch andere Fledermausarten sind durch Windräder akut gefährdet. Im Bild eine Nordfledermaus, die unter einem Windrad in Oberbayern in diesem Jahr tot aufgefunden wurde.

Zwischen ihren Sommer- und Winterquartieren unternehmen die Großen Abendsegler sehr weite und anstrengende Wanderungen von bis zu 1000 km über halb Europa. Die Fortpflanzungsgebiete liegen überwiegend in Nordosteuropa und dem nördlichen Mitteleuropa, die Überwinterungs-und Paarungsgebiete hingegen in Südeuropa und dem südlichen Mitteleuropa. Während der Wanderungen im Frühjahr und Herbst werden jährlich Tausende von Abendseglern getötet. Sie nutzen meist die Thermik der Höhenzüge und Bergrücken unserer Mittelgebirge, wo auch meist Windräder konzentriert errichtet werden. Ein von der Öffentlichkeit und den Naturschutzbehörden unbeachtetes oder ignoriertes dramatisches Massensterben ist die Folge.

Aus naturschutzfachlicher Sicht müssen folgende Standorte grundsätzlich bei Windradplanungen ausgeschlossen werden: Wälder, Waldränder, Flächen mit stehenden und fließenden Gewässern, bewaldete und unbewaldete Höhenzüge der Mittelgebirge.

2 Gedanken zu „Streng geschützt, jedoch bald durch Menschenhand ausgestorben – der Große Abendsegler“

  1. Jammern bringts nicht, Herr Bradka.
    Ich würde lieber davon hören, dass der VLAB in diesem Zusammenhang (und auch in anderer Hinsicht) konkrete Maßnahmen einleitet. Dafür könnten Sie dann auch sicherlich Spenden erhalten.
    Ich bin Mitglied beim VLAB geworden in der Erwartung, dass dieser Verband zum Schutz der Umwelt vor Windrädern AKTIV wird.
    BITTE TUN SIE ETWAS UND INFORMIEREN SIE DANN DARÜBER!

    1. Sehr geehrte Frau Baumann,

      ihr Kommentar suggeriert dem Leser, der VLAB würde nur „jammern“, anstatt „zum Schutz der Umwelt vor Windrädern“ aktiv zu werden. „Wir würden nichts tun“, so ihr Fazit über unsere Arbeit. Diese Behauptungen sind falsch und entsprechen in keiner Weise der Wahrheit. Unser Ehrenpräsident Enoch zu Guttenberg, der Vorstand, die Landesbeiräte, die Regionalbeauftragten und die Kreisgruppen des VLAB setzen sich engagiert für den Schutz unserer Umwelt und Natur im Rahmen der rechtlichen, finanziellen und personellen Möglichkeiten ein und handeln entschieden.

      Seit unserer Anerkennung beteiligten wir uns in Form vieler Einwendungen an verschiedensten Eingriffsplanungen. Rund 30 Stellungnahmen zu geplanten Windrädern, zu Zonierungen in Landschaftsschutzgebieten oder zu geplanten Regionalplanänderungen wurden abgegeben. Viele Gespräche mit Politikern und Institutionen fanden statt. Bei zwei Windradplanungen haben wir Verbandsklagen geführt bzw. führen sie aktuell. Weitere Klagen gegen den Bau von Windrädern werden zur Zeit erwogen. Nennen Sie mir bitte Beispiele aus Bayern, in denen staatlich anerkannte Naturschutzverbände in diesem Jahr zwei Klagen gegen den Bau von Windrädern führten! Der Bund Naturschutz klagte nach eigenen Angaben noch nie gegen den Bau von Windrädern in Bayern. Der VLAB erlitt leider auch Niederlagen, konnte jedoch manche Windradplanung im Vorfeld erfolgreich verhindern und somit die Landschaft und Natur vor schlimmen Schäden bewahren.

      Ich verstehe ihre Wut gegenüber der maßlosen Zerstörung unserer Landschaften. Sie sollten jedoch ihren Frust nicht auf meine Person und auf den noch jungen VLAB projizieren. Der VLAB ist weder für die jahrelangen energiepolitischen Fehlleistungen der Bundes- und Landesregierung, noch für die innigen Verflechtungen der Windradprofiteure mit vielen staatlichen Institutionen oder für die skandalöse Privilegierung von Windrädern im Baugesetzbuch verantwortlich.

      Sie sollten künftig objektiv urteilen und fair bleiben, verehrte Frau Baumann!

      Hier eine kurze Bilanz unserer Arbeit:
      http://www.umwelt-watchblog.de/ein-jahr-als-staatlich-anerkannte-umwelt-und-naturschutzveeinigung-ein-kurze-bilanz/

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