Sprache ist Politik – Süddeutsche Zeitung verweigert Lesermeinungen

Zum wiederholten Male weigerte sich die Süddeutsche Zeitung (SZ), einen kritischen Leserbrief zu dem Thema Energiewende zu veröffentlichen. Wir publizieren ihn, deckt er sich doch weitgehend mit unserer Meinung über das Thema.

Leserbrief an die Süddeutsche Zeitung

Zur Berichterstattung über die Energiewende auf Seite 4 sowie im Bayernteil auf Seite R13 und R15

Die Grünen, der Bund Naturschutz und die Windlobby müssen nur, pardon, einen Furz lassen und schon lässt die SZ in ihrem Bayernteil einen schönen, großen Artikel springen.  Wieder einmal ging es um die bei Windkraftfans verhasste 10H-Abstandregelung, die den Ausbau der Windkraft in Bayern, so das ewige Lamento pseudogrüner Umweltschützer, zum Erliegen gebracht  habe. Der zuständige SZ-Redakteur lässt ausführlich und ausschließlich nur Windbefürworter zu Wort kommen, neben dem Grünen-Landtagsabgeordneten Martin Stümpfing, den Ex-Grünen-Abgeordneten und heutigen Windlobbyisten Raimund Kamm sowie dessen Amtsvorgänger im bayerischen Windenergieverband Günter Beermann, der hier pittoresk als „Windkraftpionier“ firmiert. Keine Rede davon, dass Beermann als Geschäftsführer der Beermann Energiesysteme GmbH unter anderem mit Windprojekten sein Geld verdient.

Eigentlich müsste der SZ-Redakteur doch wissen, dass die Erneuerbaren-Branche, gepäppelt mit Milliardensubventionen, längst zu einer überaus potenten Industriebranche herangewachsen ist, die ihre längst nicht mehr nur grün motivierten Interessen oft mit brachialen Methoden gegen Kritiker durchsetzt. Der Bürgermeister von Berg am Starnberger See darf sogar berichten, wie man Windräder „selbst gegen härteste Widerstände“ möglich macht. Eine Zeitungsseite zuvor wird Stümpfing gleich nochmal zitiert, in einem Artikel über das vom Bund Naturschutz (BN) geforderte bayerische Klimaschutzgesetz. Und auf der Kommentarseite im Politischen Teil der SZ liest man in der nämlichen Ausgabe in einem Artikel über den neuen Sarkophag von Tschernobyl, dass „die Probleme der Atomkraft “ nicht so sichtbar seien wie „Windräder am Horizont“. Hier wird das Problem abermals verniedlicht. Es geht nicht um ein paar Windräder am Horizont, es geht um zehntausende riesiger Industrieanlagen, die bald jeden Winkel Deutschlands dominieren werden.

Niemand erwartet von der SZ ein Bekenntnis zur Atomkraft oder die Energiewende in die Tonne zu hauen. Doch statt sich mit Interessenvertretern, selbst „grünen“, ins Bett zu legen, sollte sich die SZ-Redakteure auf journalistische Tugenden der Unabhängigkeit und des „audiatur et altera pars“ („gehört werde auch die andere Seite“) besinnen. Es gibt in Bayern und ganz Deutschland eine beständig wachsende Zahl von Menschen, denen der Brachial-Kurs in Sachen Energiewende nicht behagt, die um die letzten halbwegs intakten Landschaften fürchten, die den massenhaften Tod von Vögeln und Fledermäusen in den Rotoren nicht hinnehmen wollen, um den Wert ihrer Häuser fürchten oder ihre Gesundheit. Sie finden in unseren Qualitätsmedien keine Stimme.

Anmerkung:

Dieser Beitrag ist keine Presseschelte. Im Gegenteil: Medien müssen in einem Rechtsstaat facettenreich und kontrovers berichten.  Allerdings sind auch gegenteilige, nicht dem Mainstream folgende Meinungen zuzulassen, das fordern die journalistische Ethik und der Pressekodex. Nur so kann der Auftrag einer umfassenden Information und Meinungsbildung der Leserinnen und Leser erfüllt werden. Dieser Mindeststandard wird leider von der Süddeutschen Zeitung in dem Themenbereich „Erneuerbare Energien“ (fast) nie erfüllt. Die SZ liefert hierzu keine Fakten, sondern politisch einseitige und stark ideologisierte Frames.

„Nicht Fakten bedingen unsere Meinungen, sondern Frames. Sie ziehen im Gehirn die Strippen und entscheiden, ob Informationen als wichtig erkannt oder kognitiv unter den Teppich gekehrt werden. Frames sind immer ideologisch selektiv, und sie werden über Sprache aktiviert und gefestigt – unsere öffentlichen Debatten wirken wie ein synaptischer Superkleber, der Ideen miteinander vernetzen kann, und zwar dauerhaft. In der Kognitionsforschung ist man sich daher schon lange einig: Sprache ist Politik“. (Politisches Framing)

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