Gedanken zum Klimawandel – ein Gastbeitrag von Evelyn Hoffmann

Viele Länder Asiens, Afrikas und Südamerikas leiden unter großem Wassermangel Bild © J. Bradtka
Viele Länder Asiens, Afrikas und Südamerikas leiden zunehmend unter großem Wassermangel; ihre Landwirtschaft und Selbstversorgung ist stark gefährdet. Bild © J. Bradtka
Evelyn Hoffmann ist eine von drei Sprecherinnen der BI „Keine Windindustrieanlagen im LSG in Schönwalde-Glien“ und Mitglied von Vernunftkraft. Sie lebt aus beruflichen Gründen in Thailand, hat jedoch noch regelmäßig Kontakte nach Deutschland.

In den letzten Tagen hat sich die Presse mit dem Klimawandel – besonders in Deutschland – beschäftigt:

„der erlebte Klimawandel“

„Wetter in Deutschland: 2015 war das zweitwärmste Jahr der Messgeschichte“

„Die Welt online“ zeigt den (globalen) Klimawandel u.a. anhand von Niederschlagsdaten in Köln auf, da Deutschland von der Klimaerwärmung besonders betroffen sei.

http://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article153075646/Hitze-Duerre-Regen-Deutschland-im-Klimawandel.html

Politisch unkorrekt fragt man sich: so what? Was ist Schlimmes passiert?

Doch auch politisch korrekt müsste sich jeder mindestens fragen: Wie ist das möglich, wo doch Deutschland eine (unvergleichlich) rigorose Klimapolitik betreibt und dabei im wahrsten Sinn des Wortes über Leichen geht? Glaubt man der Politik und der „Erneuerbaren“-Lobby dürfte doch gerade in Deutschland eine Veränderung des Wetters nicht stattfinden können.

Wie ist es möglich, dass gerade der Rest Europas und der Welt, der diese Anstrengungen in Sachen Klimapolitik nicht betreibt, weniger vom „Klimawandel“ betroffen ist als Deutschland?  

Die Antwort von DWD-Experten Thomas Deutschländer in „Die Welt online“: Deutschlands geographische Lage (Land erwärme sich schneller als Wasser – gilt anscheinend nur für Deutsch-Land ). Der Meteorologe Alexander Hildebrandt erklärt es im Video „genauer“: „Ursache ist hier wahrscheinlich eine Veränderung der Luftmassen in den höheren Atmosphärenschichten – und zwar nicht direkt bei uns, sondern weit draußen auf dem Atlantik, teilweise auch in den arktischen Regionen, aber auch in den tropischen Regionen. Also, die Zusammenhänge sind sehr komplex, aber der Klimawandel hat Deutschland voll erfasst“ – „Wir müssen uns jetzt auf ein stark verändertes Wetter einstellen“ – „Starkregen kann in einzelnen Orten sehr unterschiedlich sein.“ Neue Radardaten zeigen mehr Regen als lokale Messstationen. So lässt sich durch eine neue Messmethode sofort mehr Regen herbeizaubern. „Solche Radardaten sind extrem wichtig, um den Klimawandel noch besser in den Griff zu kriegen.“

Fazit:

  • Deutschlands geographische Lage ist so einzigartig, dass sich eine Veränderung der arktischen wie tropischen Luftmassen nur in Deutschland (negativ?) bemerkbar macht
  • Das Klima bestimmt das Wetter
  • mit Radardaten lässt sich der Klimawandel noch besser als bisher und den Griff kriegen. Ergo: je mehr Radardaten, desto weniger Klimawandel! „Problem“ gelöst! 😉

Was ist nun so schlimm am Klimawandel?

Genannt werden immer wieder Dürren / Wassermangel und Überschwemmungen als worst case. Die Frage ist:

Was sind die wirklichen Ursachen dafür? 

Wir leben seit gut zwei Jahren überwiegend in Thailand und „Wasser“ spielt eine tragende Rolle in unserem Leben. Hier in Asien gab es auch 2015 regional Dürren / Wassermangel, Stürme und Überschwemmungen und dies obwohl in Südostasien (inkl China) auch dieser Winter den Kälterekord des Vorwinters übertroffen hat (mit über 100 Kältetoten innerhalb einer Woche).

Niemand macht hier Temperaturveränderungen oder gar „das Klima“ dafür verantwortlich – diesen „westlichen Luxus“ kann man sich hier nicht leisten. Noch nicht einmal das Wetter wird als Ursache für Wassermangel oder Überflutungen der letzten Jahre / Jahrzehnte gesehen, sondern eine falsche Politik. Mit einem guten und naturverträglichen „Wassermanagement“ lassen sich auch Jahre mit weniger Regenmengen überstehen.

Dürren entstehen durch falsches „Wassermanagement“ – hauptsächlich durch die Landwirtschaft (besonders durch Monokulturen und Entwaldungen) sowie Energiegewinnungsmaßnahmen (zB. Staudämme). Der Großteil des (Trink)Wassers wird in der Landwirtschaft verbraucht (rund 80%). Wasser wird aus Flüssen umgeleitet oder Flüsse werden aus verschiedenen Gründen gestaut und dahinter gibt es nicht mehr genügend Wasser. Waldrodungen, zB für „cash crops“, verschlimmern Dürren, da Wald einen großen Anteil an der Regulierung des Wasserhaushalts hat und die nährstoffintensiven Pflanzen zusätzlich zur Versteppung / Erosion der Böden beitragen. Einige Regierungen in Asien wollen diese Ursachen angehen.

Dazu kommt, dass immer mehr Menschen neben Nahrung immer mehr (Trink)Wasser verbrauchen (Bevölkerungswachstum).

In der Regenzeit kommt es dagegen zu immer größeren Überschwemmungen, die fast jedes Jahr „schlimmer“ werden. Die Regenmenge ist dabei nicht entscheidend. Der Mensch ist zwar auch hier schuldig, aber nicht durch Verbrennen von fossilen Rohstoffen, sondern durch das Versiegeln von Flächen zB durch die fortschreitende Urbanisierung, sowie Waldrodungen, Begradigen / Umleiten von Wasserläufen oder zu dichte Bebauung an Flüssen, obwohl man weiß, dass diese immer wieder über die Ufer treten. Auch bei uns gibt es keine (oder nur sehr wenige) Drainagen, um das Regenwasser aus den Städten aufzunehmen und abzuführen. Vorhandene Abflüsse sind meist zugewachsen oder durch Müll verstopft. Straßen werden in der Regenzeit so zu reißenden Flüssen. Bei uns wird dann mit mobilen Pumpen das Wasser direkt ins Meer geleitet. Die Regierungen kennen die Problematik der Versiegelung und nehmen sich vor, etwas zu unternehmen. Doch dann kommt die Trockenzeit und das Thema Überschwemmungen wird bis zur nächsten Regenzeit vergessen. Freunde von uns in Indien standen 3 Wochen lang unter Wasser und alle „Westler“ riefen „Klimakatastrophe“. Doch auch in Indien erklärte der Bürgermeister der (wachsenden) Großstadt die fehlende Kanalisation bzw Versickerungsmöglichkeiten als Haupt-Grund für die Überschwemmungen.

Und was die Tropen-Stürme angeht: Obwohl aus unserer Sicht teilweise extrem, sind sie hier maximal eine Randnotiz wert. Die gab es schon immer. Nur sind aufgrund des Bevölkerungswachstums logischer Weise mehr Menschen (und Häuser) betroffen als vor 30, 50 oder 100 Jahren.

Weniger „Wald“ 

Auch Deutschland rodet seine Wälder – und kommt mit den Aufforstungen nicht hinterher – s. aktuell Kleine Anfrage Nr. 1445 an die LR Brandenburg (es bleibt auch die Frage, ob man ein drei Jahre altes Bäumchen (Aufforstung) mit einem >100 Jahre alten Baum vergleichen kann!). Dennoch wird verkündet, der deutsche Wald hätte sich „auf natürliche Weise“ vergrößert. Ich meine mich zu erinnern, dass man einfach die Definition von „Wald“ geändert hat, um so auf einen Schlag „mehr Wald“ zu haben. Global wird es ähnlich gehandhabt, indem man zB Plantagen als „Wald“ bezeichnet, für die man vorher Regenwald rodete. So gibt es auf dem Papier keinen Waldverlust. Echter Wald kühlt. Neu aufgeforstete Flächen oder Plantagen müssen bewässert werden – Wald nicht.

Zudem wird in Deutschland (wie auch weltweit) immer mehr landwirtschaftliche Fläche genutzt. Gab es früher Prämien für die Bauern für die Stilllegung ihrer Äcker, so werden nun natürliche Wiesen und Naturräume intensiv bewirtschaftet. Die Dauergrünflächen gehen zurück und die Qualität der verbleibenden Flächen hat sich aus Naturschutz-Sicht verschlechtert (https://www.umweltbundesamt.de/daten/land-forstwirtschaft/landwirtschaft/gruenlandumbruch).

Umgebrochene Böden trocknen schneller aus (Thema Dürre). Ausgetrocknete Böden erwärmen sich schneller als feuchte. Energiepflanzen entziehen dem Boden besonders viel Nährstoffe. Ein Bauer meinte mal zu mir: „nach drei Jahren Maisanbau ist der Boden kaputt – da kann man düngen, soviel man will, da wächst nichts mehr“. Erosionen und Versteppung sind die Folgen. Und auch bei der Flächenversiegelung ist Deutschland gut im Geschäft. Drainagen müssen nur einer durchschnittlichen Regenmenge genügen. Regnet es mehr als im Mittel, sind Überflutungen nur logisch. Der Mensch greift also massiv in die Natur ein und schreit dann „Klimawandel“. Denn damit sind „die Anderen“ schuld. Sehr praktisch 😉

Rückgang der Biodiversität

Das Problem der rückläufigen Biodiversität durch veränderte Landnutzung und den massiven Einsatz von Insekt- und Herbiziden in der (intensivierten) Landwirtschaft wird nicht (global) berücksichtigt – hat aber immerhin als Idee Einzug beim Bundesumweltministerium gehalten. Die „Einwanderung“ fremder Arten in Flora und Faune nach Deutschland wird immer noch ausschließlich dem Klimawandel zugeschrieben. Die Ausrottung bzw Dezimierung heimischer Arten durch Gifte, veränderte Lebensräume und „Erneuerbare“ (tote Flussläufe nach Biogashavarien, Rückgang der Avifauna durch WEAs) finden dabei keine Beachtung.

Bessere Ernten in Deutschland durch Klimawandel?

Obwohl (oder doch weil?) 2014 das wärmste Jahr in Deutschland sein soll, wurden in 2014 der höchste Getreideertrag (ohne Mais) Deutschlands erzielt. In 2015 waren die Temperatur und der Ertrag etwas geringer. http://de.statista.com/statistik/daten/studie/28890/umfrage/erntemenge-von-getreide-in-deutschland-seit-1960/

Würde man jetzt eine Korrelationsgrafik aus Temperatur und Getreideertrag anfertigen, käme man zum Ergebnis: je höher die Temperatur, desto höher der Ertrag! Wobei der Ertrag überproportional zur Temperatursteigerung ausfällt. Legt man jetzt noch die CO2-Entwicklung dazu, ergäbe sich ein stimmiges Bild. Dann wäre das Fazit: Je wärmer und je mehr CO2, desto besser die Ernte. Unterschiedliche Regenfälle spielten für Deutschland in diesem Fall keine Rolle.

Auch ohne direkte menschliche Eingriffe in die Natur wird es zu Veränderungen bei der Flora und Fauna durch Klimaveränderungen kommen – so wie es immer der Fall war. Ich bin allerdings überzeugt, dass Dürren und Überschwemmungen weltweit – die man dem „Klimawandel“ zuschreiben möchte – in der direkten „Ausbeutung“ und Veränderung der Umwelt durch den Menschen ihre Hauptursachen finden.

Evi Hoffmann

Leseempfehlung:

Artikel der Bangkok Post aus Januar 2016, der sich mit den Ursachen der Dürre- und Überschwemmungsproblematik in Thailand befasst:

http://www.bangkokpost.com/news/politics/843748/pm-blames-past-policies-for-drought

Hinweis: „cash crops“ sind Pflanzen, die hauptsächlich dem Export dienen und nicht der Versorgung der einheimischen Bevölkerung mit Lebensmitteln. Auch sogenannte „Energiepflanzen“ gehören dazu. So ist Cassava (Maniok) zwar eine traditionelle Pflanze mit hohem Stärkeanteil, die als sättigendes Lebensmittel auch weltweit eine große Rolle spielt, doch wird sie nun vermehrt für die Herstellung von Bioethanol verwendet. In Thailand soll der Anbau der cash crops auf ein erträgliches Maß zurück geschraubt werden. Wald darf aufgrund seiner wichtigen Wasserhaushaltsfunktion nicht weiter gerodet werden. Intensive Landwirtschaft führe zu regionalen Wetter-Veränderungen und damit Veränderung der Umwelt.

Redaktionshinweis:
Gastbeiträge geben nicht unbedingt nicht die Meinung der Redaktion und des VLAB zu dem jeweiligen Thema wieder.

3 Gedanken zu „Gedanken zum Klimawandel – ein Gastbeitrag von Evelyn Hoffmann“

  1. Vielen Dank für diesen erhellenden Bericht! Anscheinend ist es für uns Menschen immer einfacher, etwas Entferntem, das wir nicht wirklich beeinflussen können, die Schuld zu geben – hier dem „Klimawandel“ – statt nach den nächstliegenden Ursachen zu suchen und sie abzustellen – hier die Versiegelung der Böden, die Vernichtung der natürlichen Vegetation (so auch den Rückgang der Mangrovenwälder an Asiens Küsten, die einst eine natürliche Barriere gegen Sturmfluten waren), die Unwissenheit der Bevölkerung über Empfängnisverhütung etc. etc.
    Statt unsere finanziellen und technischen Ressourcen an unwirksame Maßnahmen zu verschwenden – trotz massivem Zubau „erneuerbarer“ Energiesysteme in Deutschland ist der CO2-Ausstoß 2015 wieder gestiegen – sollte jeder für sich und die Gesellschaft als Ganzes nach Lösungen für die naheliegenden Probleme suchen und sie so schnell und effizient wie möglich umsetzen.

  2. Evelyn Hofmann ist mir deshalb lieber als Evelyn Lemke (vormals rheinlandpfälzische Wirtschaftsministerin), denn Erstere hat den richtigen Durchblick. Gesunder Sachverstand und Realitätssinn, gepaart mit guter Beobachtungsgabe vs. ideologisch verbrämtem Wunschdenken, gepaart mit schlichtem Machtdenken und Hybris.

  3. Vielen Dank für diesen Beitrag! Der kurze Abriss auf die Berichterstattung in der deutschen Presse zeigt, dass besonders unsere Medien gerne ungewöhnliche Wetterphänomene weltweit aufgreifen und dem Klimawandel zuschreiben ohne auch nur einmal andere oft viel näherliegendere Ursachen zu beleuchten. Der Glaube an den alles zerstörenden Klimawandel wird dadurch immer weiter bestärkt, wodurch die Bevölkerung bereit ist irrationale Maßnahmen zu irrwitzigen Kosten für den „Klimaschutz“ zu akzeptieren. Neuerdings muss der Klimawandel auch als Fluchtursache aus Afrika und den nahen und mittleren Osten herhalten. Auch der Sonnenkönig und Märchenerzähler Franz Alt vertritt diese These bei seinen Vorträgen und sieht darin die Legitimation für den weiteren Ausbau der Erneuerbaren wie Windräder.

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