Dramatischer Artenrückgang durch Landwirtschaft

Ausgeräumte, lebensfeindliche Agrarlandschaft in Bayern

In einer Studie, die in der Nähe von Krefeld in Nordrhein-Westfalen durchgeführt wurde, wurden innerhalb von rund 25 Jahren gravierende Verluste der Insekten-Biomasse festgestellt.

Im Jahr 2013 konnten nur noch ca. 25% der Insekten-Biomasse im Vergleich mit der bei der Erstaufnahme 1989 vorhandenen Masse nachgewiesen werden. Oder anders ausgedrückt: nur noch rund ein Viertel der bisherigen Insekten-Biomasse steht der sehr komplex verflochtenen Tierartengemeinschaft (Zönose) aktuell zur Verfügung. Dies hat weitreichende negative Folgen, nicht nur für die Bestäubung von Pflanzen, sondern auch für das Überleben vieler anderer Artengruppen, zum Beispiel den Vögeln, die auf Insekten als Hauptnahrung angewiesen sind.

Als wahrscheinliche Ursache wird die intensive Bewirtschaftung des Grünlandes im Umfeld des Untersuchungsgebietes in Form von Überdüngung, dem Einsatz von Herbiziden und von Pflanzenbehandlungsmitteln diskutiert.

Landwirtschaft gefährdet Lebensvielfalt

Auch der Artenschutzreport 2015 des Bundesamtes für Naturschutz kommt zu dem Ergebnis, dass „Gefährdungsursachen aus dem Bereich der Landwirtschaft sowohl hinsichtlich der Nennungshäufigkeiten als auch bezüglich der Anzahl betroffener Arten am bedeutsamsten sind“. Neben Insekten würden Pflanzen, Kleinsäuger, Vögel und Amphibien sehr stark unter der Intensivierung der Landwirtschaft leiden. So ist beispielsweise die Gefährdungssituation bei den Ameisen dramatisch: 92 % der Ameisenarten nehmen derzeit rapide ab. Dies sei wesentlich auf die Intensivierung der Landwirtschaft zurück­zuführen, so der Artenschutzreport des Bundesamtes.

Landwirtschaft als größter Flächennutzer

Mit einem Flächenanteil von über 50 % ist die Landwirtschaft bayern- und bundesweit der größte Flächennutzer. Zahlreiche Artengruppen sind essentiell auf landwirtschaftlich geprägte, offene Lebensräume in Deutschland angewiesen. Die Landwirtschaft trägt somit eine sehr große Verantwortung für die Artenvielfalt in Bayern und Deutschland, wird jedoch diesem Anspruch kaum gerecht. Die künftige Förderung landwirtschaftlicher Betriebe durch Steuergelder muss daher zwingend mit ökologisch nachhaltigen Bewirtschaftungsformen verbunden werden.

Quellen

Sorg, M. et al. (2013). Ermittlung der Biomassen flugaktiver Insekten im Naturschutzgebiet Orbroicher Bruch mit Malaise Fallen in den Jahren 1989 und 2013. Mitteilungen aus dem Entomologischen Verein Krefeld Vol. 1. Seite: 1-5

Bundesamt für Naturschutz (BfN). Artenschutzreport 2015. Tiere und Pflanzen in Deutschland. Seite: 1-64 https://www.bfn.de/fileadmin/BfN/presse/2015/Dokumente/Artenschutzreport_Download.pdf

 

 

 

 

 

 

 

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