Die Berücksichtigung von Fledermäusen bei Windradprojekten in Deutschland – mangelhafte Untersuchungsmethoden liefern mangelhafte Ergebnisse

Die geschützte Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus) in Nahansicht
Die geschützte Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus) zählt zu den stark kollisionsgefährdeten Fledermausarten in Deutschland. © J. Bradtka

Eine aktuelle Studie der Biologin Johanna Hurst vom Freiburger Institut für angewandte Tierökologie zusammen mit anderen Experten bestätigt erneut: der Bau von Windrädern im Wald führt zu erhöhten Gefährdungen von streng geschützten Fledermausarten. In  Wäldern sei mit einer hohen Aktivität der Fledermäuse und damit mit einem hohen Kollisionsrisiko mit Windrädern zu rechnen. Auch der Verlust von Quartieren und Jagdgebieten auf Grund der Waldrodungen stelle eine Beeinträchtigung dar, so das fachliche Urteil der Autoren.

Standards für die Beurteilung des Kollisionsrisikos von Fledermäusen mit Windrädern in Wäldern fehlen

Die Wissenschaftler analysierten und verglichen in ihrer Arbeit die empfohlenen Untersuchungsmethoden der Länder zur Einschätzung des Kollisionsrisikos. Diese seien in keinem der Leitfäden der Bundesländer auf Waldstandorte ausgerichtet, so ihre nüchterne Bilanz. In einer Tabelle wurden alle 25 in Deutschland vorkommenden Fledermausarten und die Wahrscheinlichkeit der artenschutzrelevanten Schädigung durch Kollisionen und durch Quartierverluste präsentiert.

Eine Gefährdung durch Quartierverlust ist bei folgenden Arten besonders wahrscheinlich:                                                                                             Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii), Nymphenfledermaus (Myotis alcathoe), Kleinabendsegler (Nyctalus leisleri), Abendsegler (Nyctalus noctula), Rauhhautfledermaus (Pipistrellus nathusii), Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus) und dem Braunen Langohr (Plecotus auritus).

Eine Kollision mit Windrädern ist besonders wahrscheinlich bei:     Kleinabendsegler, Abendsegler, Rauhhautfledermaus und der Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus)

 

Mangelhafte Qualität der Gutachter

Die Experten stellten weiter fest, dass in nur drei der acht Leitfäden der Länder darauf hingewiesen wird, Untersuchungen von fachlich versierten Experten oder von Sachverständigen durchführen zu lassen. Diese sollten nach Einschätzung der Autoren bereits Erfahrungen mit den für Fledermäuse spezifischen Erfassungsmethoden vorweisen können und ein umfangreiches Wissen über die Biologie und das Vorkommen der einzelnen Fledermausarten besitzen. Nur so lassen sich die Ergebnisse standortspezifisch einordnen. Als einziges Bundesland würde nur das Land Brandenburg regeln, Gutachten in Abstimmung mit der Genehmigungsbehörde möglichst an offizielle Sachverständige zu vergeben.

 

Studien zur Gefährdung von Fledermäusen durch Windräder in Wäldern fehlen

Die Autoren erwähnen in ihrer Studie auch, dass in Mitteleuropa bislang systematische und belastbare Untersuchungen, welche die Vorkommen und Aktivitätsdichten von Fledermäusen vor und nach dem Bau von Windrädern vergleichen, fehlen. Auf Grund dieser Wissensdefizite hätten sich einige Bundesländer sogar entschieden, generell auf Voruntersuchungen zu verzichten und das Kollisionsrisiko ausschließlich durch Untersuchungen nach dem Bau der Windräder im Rahmen von akustischen Erfassungen in Gondelhöhe zu ermitteln. Die Biologen bemängeln dies und weisen auf die dringende Notwendigkeit von Voruntersuchungen zur Ermittlung des Kollisionsrisikos hin. Bei den Voruntersuchungen sollten automatische akustische Erfassungen über den Baumkronen eingesetzt werden, die eine punktuell und dauerhafte Dokumentation der Aktivität von Fledermäusen im Jahresverlauf ermöglichen. Regelmäßige Detektorbegehungen am Boden sind ungeeignet.

 

Ernüchterndes Fazit der Wissenschaftler

Zum Schutz der Fledermäuse vor Windrädern, insbesondere an Waldstandorten, besteht ein dringender Forschungsbedarf, so das Resümee der Wissenschaftler. Ein besonderes Augenmerk sei dabei auf die negative Auswirkung auf Fledermäuse beim Bau zahlreicher Windräder auf kleinem Raum zu legen. Dies könne sich im Wald negativ auf lokale Populationen auswirken. Auch die oftmals als unerheblich betrachteten Kollisionsraten an Einzelanlagen, hätten in der Summe erhebliche Auswirkungen auf lokale oder sogar mitteleuropäisch verbreitete Fledermauspopulationen.

 

Quelle:

Hurst, J., et al (2015): Erfassungsstandards für Fledermäuse bei Windkraftprojekten in Wäldern. Diskussion aktueller Empfehlungen der Bundesländer. Natur und Landschaft. 90. Jahrgang. Heft 4. Stuttgart: 157 – 169.

http://www.kohlhammer.de/wms/instances/KOB/appDE/Hauptmenue/Neuerscheinungen/Erfassungsstandards-fuer-Fledermaeuse-bei-Windkraftprojekten-in-Waeldern/

 

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