Der Berg kreißte und gebar eine Maus – Gedanken zum Nationalpark Spessart

Ein echter Nationalpark ist der Nationalpark Bayerischer Wald. Er erfüllt alle Kriterien eines Schutzgebietes und ist mit rund 24.300 Hektar nicht nur der älteste, sondern auch der zweitgrößte Waldnationalpark Deutschlands © J. Bradtka
Nationalpark Bayerischer Wald. Er ist unzerschnitten und erfüllt alle gesetzlichen Kriterien eines Großschutzgebiets. Mit rund 24.300 Hektar ist er nicht nur der älteste, sondern auch der zweitgrößte Waldnationalpark Deutschlands © J. Bradtka

Unter dem Druck von Bund Naturschutz, Greenpeace und Co. versucht das Bayerische Umweltministerium einen passenden Standort für einen dritten Nationalpark in Bayern zu finden. Eine Abfuhr erteilten bereits die Bewohner des Steigerwalds unterstützt von zahlreichen Bürgermeistern und Abgeordneten. Nun soll es, kurz vor wichtigen Wahlen, der Spessart richten. Versprechungen müssen eingehalten werden, um eine intellektuelle oftmals stark ökologisch ideologisierte und meist städtische Bevölkerungsschicht nicht zu enttäuschen. Staatsministerin Ulrike Scharf und ihre Umweltbeamten planen daher, im Spessart ein kleines „Alibi-Nationalpärkchen“ einzurichten.

Quadratur des Kreises

Auf Grund seiner Lage würden bis zu 80.000 Fahrzeuge pro Tag den geplanten Nationalpark durchqueren und permanent mit Emissionen und Lärm belasten. Vom Umweltverband Greenpeace, der entschieden gegen jede Straßenbaumaßnahme kämpft, kam der aberwitzige Vorschlag, den Zerschneidungseffekt durch Grünbrücken über und Tunnels unter der A 3 auszugleichen.

Das dicht besiedelte Rhein-Main-Industriegebiet liegt westlich in nur rund 60 km Entfernung. Es verfrachtet seine Schadstoffe in den geplanten Nationalpark. Je nach Wetterlage überqueren startende und landende Flugzeuge des nahe gelegenen Frankfurter Airports das Nationalparkgebiet. Dennoch soll nach den Vorstellungen des Umweltministeriums der Nationalpark absolute Priorität für den Naturschutz haben. Auch die Erholung und Freizeitnutzung und eine weitere Belieferung mit Brennholz für die Tausenden von Forstrechteinhaber im Spessart hat das Pärkchen weiterhin zu bieten. Die Bevölkerung darf unter keinen Umständen verprellt werden. Ziemlich ungeeignet sind die Spessartwälder für einen Nationalpark: Zwar gut gepflegte, jedoch meist jüngere bis mittelalte einschichtige, artenarme Buchenwälder prägen das Waldgebiet.

Nationalpark Spessart erfüllt keine Naturschutzkriterien

Der geplante Standort ist landschaftlich reizvoll, erfüllt jedoch nur mit viel Phantasie die harten Kriterien für ein Großschutzgebiet. Nach den im § 24 Bundesnaturschutzgesetz vorgesehen Mindeststandards ist das Gebiet weder „weitgehend unzerschnitten“, noch erfüllt es „in einem überwiegenden Teil die  Voraussetzungen eines Naturschutzgebiets“. Aufgrund der großen infrastrukturellen Belastungen, lässt sich der geplante Nationalpark auch langfristig nicht in einen Zustand entwickeln „der einen möglichst ungestörten Ablauf der Naturvorgänge in ihrer natürlichen Dynamik gewährleistet“.

Nationalpark verdrängt wertvolle Eichenwälder

In einer wissenschaftlichen Studie belegen Walentowski et al., dass es nur wenige spezifisch an Buchenwälder gebundene Arten gibt. Die meisten „Buchenwaldarten“ lassen sich durch eine naturnahe und nachhaltige Bewirtschaftung in Wirtschaftswäldern erhalten und fördern. Insbesondere Eichen-Waldgesellschaften, die durch die Ausweisung des Nationalparks Spessart aufgrund der hohen Konkurrenzkraft der Buchen verdrängt werden würden, sind für die Artenvielfalt von größter Bedeutung.

Ein Dilemma für das Bayerische Umweltministerium droht.

 

 

 

 

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